Feigling

Es gibt sie, solche gottverlassenen Orte, wo die Stille eingezogen ist. Daran ändern auch Graffitis und feiernde Horden Jungvolk nichts. Die Schnapsflaschenscherben auf dem Boden und die weggeworfenen Bierflaschen lassen es nur noch leerer erscheinen.

Mitten in Recklinghausen, in einer grünen Ecke, wo die etwas besser betuchten wohnen, liegt sie im Wald. Sinnigerweise heißt sie Waldschule und war mal eine Realschule. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt, das einst so gefürchtete (zumindest von den Schülern) und belebte Gebäude ist dem Verfall ausgeliefert.

Ich hätte rein gehen können, eine Kellerluke stand offen, doch mich beschlich eine Gänsehaut, wenn ich mich ihm näherte. Sogar der Lost-Places-Fotograf aus dem Ruhrgebiet, den wir trafen und mit dem wir kurz plauderten, schien sich nicht so wohl zu fühlen bei dem Gedanken, dort gleich einzusteigen.

Gebaut werden soll dort. Der Investor wird nicht nur dem Komplex abreißen, sondern direkt das ganze (riesengroße) Waldstück dem Erdboden gleichmachen.

Es ist schade, für die Natur und das Gebäude. Ich könnte mir gut vorstellen, es wiederzubeleben. Künstlerwohnungen wären perfekt oder ein kultureller Treffpunkt. Dann würde wohl auch die Gänsehaut verschwinden.

Nur das Rotkehlchen (man entschuldige mir an dieser Stelle die Pinselei, es ist ein Experiment) mochte die Gegend. Ich wünschte, sie würde ihm erhalten bleiben.

Alice

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Investoren interessiert so etwas nicht 😉

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    1. Ja, ich weiß. Ist aber wirklich schade…

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      1. Wortman sagt:

        Schade ist es wirklich.

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