Der Ausflug, die Schnäppchen und ich

Wir wollten nach einem neuen fahrbaren Untersatz suchen und fuhren einigermaßen früh los, um ein Autohaus in 70 km Entfernung anzusteuern. Leider lag es in der Nähe der Ecke, wo ich aufwuchs und am Ende wurde es Sightseeing statt Probefahrt.

Ich bin deswegen nicht traurig, ein Ford sollte es eh nicht werden. Und der Besuch der Pilgerstadt, 15 km von meinem Geburtsort, war einfach schön.

Als Kind empfand ich diese kapellengefüllte Ortschaft als bieder und verstaubt. Wie pittoresk sie ist mit ihren alten Häusern, die den Krieg gut überlebten, den alten Kirchen und Beichträumen, die ich sicherheitshalber nicht betrat, hatte ich damals nicht gesehen.

Es war ein kleines Stück Urlaub in Coronazeiten, eine Miniauszeit von Zuhause, wo die Pflichten warten. Und sie tat uns gut, dem Mann und mir, auch und besonders als Paar.

Auch wenn ich alleine fuhr, weil sich wieder kleine Panikattacken vor das Licht schoben und ich es so besser verkraften konnte und als Konsequenz heute Nacht kaum schlief, es war erholsam.

Der Mann versuchte mich in einen Halbedelsteinladen zu schleusen, der zwischen einem Devotionaliengeschäft mit goldigen Gipsmarien und einem Jugendstilcafé lag, doch ich entdeckte einen Photoladen auf der anderen Seite, der alte Kameras im Angebot hat.

Was soll ich sagen, Schmuck kann man nur umhängen, die hübschen kleinen mechanischen Schätze können die Geschichte festhalten.

Drei mehr hab ich nun und ich weiß wirklich nicht, wie viele es gesamt sind. Es sind wenig wirklich wertvolle dabei, doch ein paar, die einfach eine wunderbare Scherbe haben und richtig gute Bilder machen.

Wir fuhren dann noch weiter, füllten zwei der drei Schätze mit Film und besuchten das Traumschloss meiner Kindheit.

Als ich fünf war, oder so, besuchten meine Eltern mit mir die Ruine von Moyland. Damals war es noch kein Museum und was das vor mir zwischen alten Hecken und hinter einem sumpfigen Wassergraben auftauchte, war kaum mehr als eine efeubewachsene Ruine.

Ich fand den Platz, an dem ich beschloss, dass dort Dornröschen wohnt und ich nichts lieber als eine Prinzessin sein möchte, mit traumwandlerischer Sicherheit. Es war seltsam dort zu stehen, den gleichen Blick darauf zu haben wie vor über 40 Jahren und dasselbe sehnsuchtsvolle Gefühl zu empfinden.

Der Mann bekam die alte Kamera des Opas in die Hand gedrückt und ich wies ihn in die Tücken ein. Er hatte Spaß und ich auch, das wundervoll restaurierte Gemäuer von allen Seiten festzuhalten. Bilder folgen, wenn sie aus der Suppe sind, ich habe bewusst die digitale Möglichkeit zu Hause gelassen.

Heute steht ein Einkauf an und ich möchte wieder ins Atelier. Der Mann wird den Sohn zur Freundin bringen und sich den Baustellen widmen.

Ich werde sie mal katalogisieren, die mechanischen Schätze, wenn ich einen ruhigen Tag habe und ihnen einen hübschen Platz suchen. Und entwickeln muss ich mal wieder….

Alice

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hallo Alice, ich habe noch so ein Schätzchen aus DDR-Zeiten, eine Pentacon Penti. Die liegt bei mir nur rum. Ich kann damit nichts anfangen. Wenn Du magst, würde ich sie Dir gern schenken. Liebe grüße Hedwig

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    1. ❤❤❤ das wäre super lieb von dir

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