Veröffentlicht in Mal über mich

Isso

Es gibt keine dummen Fragen, sage ich immer, es gibt nur dumme Antworten. Aber manchmal zweifle ich an dieser Aussage. Das sind dann Momente, in denen ich einfach „Isso“ brüllen möchte.

Ich bin, die ich bin und ich tu, was ich für richtig halte, Basta. Da gibt es keinen Erklärungsspielraum. Gestern hatte ich ein kurzes Gespräch mit einem Bekannten, traf ihn beim unvermeidlichen Milch kaufen im Supermarkt. Wir hatten uns länger nicht gesehen und tauschten Neuigkeiten aus, redeten über die letzten vier Monate, seinen Job, meinen Job und was sonst so anfällt. Irgendwann erzählte ich von den Fuzzies und er wollte sie sehen.

Nett, meinte er und blätterte meine Galerie auf dem Handy durch. Mich durchzuckte die „kleineSchwestervonScheiße“-Bewertung, doch ich grinste tapfer, ihn in Gedanken auf einen der äußeren Plätze meines Bekanntenkreises schubsend. Aaaaaber, kam dann. Und immer, wenn dieses Wort kommt, gehe ich innerlich in Alarmbereitschaft.

Aaaaber, wer hat eigentlich dieses Wort erfunden? Es klingt ein bisschen, als würde das Hirn noch einige Minuten zum Nachdenken benötigen. Wäre auch manchmal besser. Für alle Beteiligten.

Ich stand da also, betrachtete den weit aufgerissenen Mund, sah ein paar zahnärztliche Notfälle und überlegte krampfhaft, welchen Einwand er denn da vorzubringen gedenkt. Ich meine, es sind meine Designs, oder? Die sind so, wie ich sie zeichne. Und da gibt es nicht zu diskutieren.

Während er also Luft in seine Lungen pumpte, um mir seine fachliche Meinung kundzutun, ging ich in Gedanken die Bilder durch, die ich ihm zeigte. Hatte ich vielleicht einem Fuzzie aus Versehen einen kleinen Pimmel angezeichnet? Oder mich in der Anzahl der Augen vertan? Ich konnte mich an nichts erinnern.

Nach dem „Aaaaaber“ folgte eine kleine Pause. Dramatik pur. Er blätterte durch mein Handy, schloss dabei den Mund nur halb, suchend mit größter Konzentration. Und dann kam es „…. warum hat das Huhn nicht diese komischen Dinger am Hals?“ Ich wusste gar nicht, dass er in einem früheren Leben Biologie studiert hatte, hätte er es, dann wüsste er wahrscheinlich den Fachbegriff.

Für einen kurzen Moment überlegte ich, ihm was von künstlerischer Freiheit zu berichten und dass diese Tiere ja nicht als Illustration in ein Biobuch kommen sollen. Ich sinnierte, ihm klarzumachen, dass es ja eher Karikaturen sind, die menschliche Eigenschaften oder auch geflügelte Worte humorvoll darstellen sollen.

Doch ich nahm mein Handy, nickte freundlich und verabschiedete mich mit einem herzhaften „Isso“. Das reicht manchmal.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

18 Kommentare zu „Isso

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