Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Unentspannte Nacht

Ich konnte nicht einschlafen und war viel zu früh wieder wach. Der Kaffee schmeckt nur so halbherzig und ich benötige noch Schlaf, dafür ist es aber zu spät.

Der Tag ist voll und es bleibt keine Chance, mich auszuklinken, so wie es aussieht. Der Einkauf wurde verschoben, der Mann fühlte sich nicht fit genug und alleine hatte ich nicht noch einmal Lust darauf.

Die verrückte Katze tobt noch um mich herum, die Sonne mag heute nicht lachen und ich auch nicht. Alles ruht, doch ich bin unruhig. Was ich tun möchte und was ich tun muss, passt gerade nicht zusammen.

Seit einigen Tagen überkommt mich der Wunsch, einfach auszubrechen, mich auszuklinken aus der Familie. Und wer jetzt sagt, ich solle es doch einfach tun, kapiert nicht das Dilemma, in das ich mich steckte. Alle stehen da und glauben, dass es ohne mich nicht geht. Ich habe sie gut erzogen, diese Truppe Kinder, die an mir kleben und mich entsetzt anschauen, wenn ich ihnen sage, dass sie mir auf den Sack gehen.

Corona hat es nicht besser gemacht. Seit Monaten ist zu viel Mensch. Und seit der Mann Urlaub hat, wird es noch enger. Versteht mich nicht falsch, ich liebe diese Horde Mensch, doch ich habe ein dünnes Fell und diese dauernden Ansprüche fressen mich auf.

Ich ärgere mich über den jüngsten Sohn, der meint für drei Tage mit der Freundin wegfahren zu müssen, nicht von seinem Geld, versteht sich. Ich mache mir Sorgen, dass er sich irgendwo ansteckt und ich bin grantig, dass einfach erwartet wird, dass ich mich kümmere, dass ich bezahle, dass ich gestatte. Ein anderer will mit dem Erzeuger in den Freizeitpark. Äußere ich Bedenken, werde ich als Spaßbremse betrachtet.

Ein mir Nahestehender braucht berufliche Veränderung, lauscht mir andachtsvoll, wenn ich ihn darauf hinweise, dass es so nicht weitergeht, bespreche Optionen und Ideen, doch er bewegt sich nicht, versucht es noch nicht einmal. Alles ruht, alles klebt gerade und wenn etwas nicht läuft, muss ich mich kümmern.

Die Stromrechnung trudelt ins Haus, sie ist exorbitant. Nicht nur, dass es sich mit meiner Vorstellung von Leben und Nachhaltigkeit nicht verträgt, die Schuldzuweisung des Gatten geht in Richtung Nachwuchs. Doch die verhalten sich seit Jahren gleich in ihrem Stromkonsum. Dass die dauernd gefütterte Waschmaschine und der Trockner daran einen nicht zu vernachlässigenden Anteil haben, will ihm nicht in den Kopf.

Ich will nicht streiten, ich will keinen Ärger, bin mir gerade selbst stressig genug. Die Entspannungstodoliste wächst und ich komme nicht zum abarbeiten. Heute kein Atelier, dafür Familiendienst. Alle machen ihren Kram und ich das, was keiner mag.

Meine Laune wird gerade unterirdisch und ich höre besser auf, zu klagen. Besser wird es dadurch nämlich auch nicht.

Ich gehe jetzt heiß duschen und dann vielleicht noch eiskalt. Nützt ja nix.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

6 Kommentare zu „Unentspannte Nacht

  1. Manchmal ist eben einfach alles zu viel! Darf auch sein! Manchmal sehne ich mich nach dem Trubel zurück, wenn mir die Stille zu viel wird, aber ich erinnere mich dann daran, wie ausgepowert ich oft war.
    Hättest Du ein schlechtes Gewissen, wenn die Kinder nicht an Dir kleben würden? Ich hatte damals eins! Wir Mütter machten uns gegenseitig Druck und es wurde immer mühsamer, sich als eine gute Mutter zu fühlen……

    Gefällt 1 Person

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