Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Ausgetickt

Ich kann das auch, austicken, wenn es zu viel wird. Es kam schon länger nicht mehr vor und traf mich unvorbereitet.

Eine Banalität war der Auslöser, ein Werkzeug war nicht zu finden, eine Kleinigkeit, doch es bremste mich in dem, was ich gerade tun wollte, was fertig sollte, was ich noch mal eben zu schaffen geplant hatte.

Und da war sie da, die Wut. Ich knallte Schrank- und Zimmertüren, herrschte die Hunde an, die mir aus dem Weg gingen und fand am Ende doch nicht das, was ich brauchte.

Ich weiß, Charakterschwäche, mag niemand, laut werden ist für alle Beteiligten unangenehm. Muss ich wissen, war die Hintergrundmusik meiner Kindheit.

Dennoch, es kommt vor und niemand kann sich davon freisprechen ( Außer diverse Heilige, die selbst mit Gelassenheit hinnehmen, dass ihr frisch gekaufter Lieblingsjoghurt soeben spontan verschimmelt ist).

Ich kam wieder runter und versuchte zu verstehen, was da gerade passiert war.

Ich war im Fluss gewesen. Nach tagelangen Kopfschmerzen und ineffektivem Sofaliegen und Kritzeleien, wollte ich endlich was tun und es ging nicht. In diesem Haus, in dem mal wieder ordentlich rumgerödelt wird, war nichts zu finden. Ich fühlte mich gebremst, festgehalten, eingesperrt.

Mit jeder Schublade, die ich erfolglos durchsuchte, wurde es schlimmer. Wer schon mal den Autoschlüssel verlegte und zu einem wirklich wichtigen Termin musste, hat vielleicht eine leise Ahnung davon, wie ich mich fühlte.

Und doch, nicht wichtig, banal geradezu, außer für mich.

Ich ging dem Gefühl auf den Grund, als ich wieder klar denken konnte. Ich wollte etwas tun, doch ich konnte nicht. Ich fühlte mich ineffektiv und ausgebremst.

Nur warum war das so schlimm? Andere stört es auch nicht. Die verschieben es dann eben auf morgen oder nehmen es als Anlass, mal wieder ein wenig Ordnung zu schaffen, um dann als Abfallprodukt quasi, das gesuchte Teil in Händen zu halten. Für mich nahm es – und das ist wörtlich zu nehmen – nahezu lebensbedrohliche Ausmaße an. Natürlich nur in meinem Kopf.

Ich erinnerte mich an ein Buch, dass ich vor einiger Zeit gelesen hatte. Die zwei Säulen des Selbstbewusstseins sind Selbstliebe und Selbstwirksamkeit. Darauf baut alles auf. Und ich musste erkennen, dass diese eine Säule immer noch zu stark belastet ist. Schaffe ich nichts, bricht alles weg. Dann bleibt nur ein kleines Häufchen Ich übrig, zitternd in der Ecke hockend.

Und ebenso musste ich erkennen, dass, so gut mir die Ruhe im Atelier tut, mein Anspruch, dort zu produzieren , etwas zu schaffen, womit ich diese Oase rechtfertigen darf, ordentlich reingrätscht in den Entwicklungsprozess.

Ausgetickt, ein harmloses Wort für eine tiefliegende Problematik, die zu bearbeiten, mir nicht leicht fällt. Außer meinen „Produkten“ mag ich gerade recht wenig an mir. Dazu kommt eine latente Ausnutzungssituation, die ich heute klären muss und für die ich meine Füße auf dünnes Eis setzen darf.

Der Kreis schließt sich, die Welt spiegelt mir, was gerade abgeht. Zeit, stehen zu bleiben und für einen Moment im Auge des Orkans zu verweilen, bevor ich die Richtung ändere.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

11 Kommentare zu „Ausgetickt

  1. Lese gerade das Buch von Gunter Dueck „Wild Duck“. In den aktuellen Kapiteln beschreibt er die Charakterisierung und Katalogisierung von Menschen nach dem System von Myers und Briggs. Ich hatte das mal in einem Projektmanagement Kurs. ISTF Das passt für mich wie Faust auf Auge. Vor allem erklärt das auch, warum Menschen verschiedenen „Typs“ so schlecht mit den Reaktionen des anderen zurechtkommen

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  2. Das kann ich so richtig nachvollziehen. Manchmal gibt es eben Momente, wo wieder mal etwas nicht läuft, wie man es braucht. Die Anderen können dann auch mal helfen. Verständnis zeigen. Wir Menschen haben eben auch Emotionen. Wir sind doch keine Roboter.🤗

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