Veröffentlicht in Mal über mich

Autonomie und Symbiose

Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um es zu verstehen. Ein paar Monate bis es vom Kopf ins Herz gerutscht ist, ein paar Tage, um zu begreifen, was es tatsächlich bedeutet.

Jetzt sitze ich hier und kann nicht schlafen. ich, die seit Wochen auf dem Sofa einschläft, egal welcher Film gerade läuft. Aus Trotz habe ich mir nun Kaffee gekocht und hoffe, dass mein Nacken mich das tippen lässt, was mich so unruhig macht.

Bei mir hat das nicht geklappt, damals. Ich kam aus der symbiotischen Beziehung zu meiner Mutter nicht richtig raus. Sie wollte es auch nicht, hat mich nie wirklich vom Haken gelassen. Und als ich jemanden fand, ging es einfach so weiter.

Zu Beginn war es toll, ich suchte nach nicht autonomen Männern und fand sie immer. Die Muttersöhnchen, die ähnlich wie ich am Rockzipfelchen klebten, die vaterlosen Mobbingopfer, die einsamen, die, die nicht weglaufen, wenn da jemand ist, der ja sagt.

Das hätte der Beginn einer wunderbaren Beziehung sein können. Zwei Klammeräffchen auf dem Weg ins Paradies, nur klappte es leider nicht. Nach der anfänglichen Begeisterung, stellte sich irgendwann die Ernüchterung ein. Die Selbsterweiterung erwies sich als unkompatibel, auch wenn ich mir zu Beginn einreden wollte, sie sei es und zwar perfekt.

Meine Selbstzufriedenheit erlosch, ich wurde nörgelig und unzufrieden.

Und zog weiter.

Die ersten paar Male merkte ich noch nichts, spürte nicht die einseitige Selbstaufgabe, den schlechten Schlaf, das Wegdrücken durch Ablenkung. Das kam mit der Zeit und ich wunderte mich. Über mich und über die Menschen, die immer passend erschienen und so unpassend waren.

Für eine Weile lebte ich alleine. Da war auf einmal alles anders. Ich war auch nicht mit allem glücklich, doch ich kam klar. Ich tat – im Rahmen, den mir die Ausbildung ließ – das, was ich wollte, dann, wann ich es wollte.

Irgendwann begann das oben beschriebene Spiel erneut, setzte sich in Freundschaften und kollegialen Verhältnissen fort und führte früher oder später zum Bruch.

Die Jahre vergingen, Depressionen stellten sich (immer wieder) ein, die Muster sah ich, ein Fanal an der Wand, nur begriff ich sie nicht.

Und dann ist es auf einmal da. Dieses Knistern, wenn der Schalter sich umlegen möchte und man sich fragt, ob man das tatsächlich will.

Ich weiß, wie es geht, habe das tatsächlich schon gelebt und schrecke ein wenig davor zurück. Meine Autonomie würde die an mich angrenzenden symbiotisch anmutenden Beziehungen auf eine harte Probe stellen. Ohne Menschen war es einfacher.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

8 Kommentare zu „Autonomie und Symbiose

  1. Ich spüre diese zittrige Aufregung dahinter, die Angst vor der eigenen Courage.
    Ab und an wage ich selber den ein oder anderen Vorstoß, etwas in mir will mehr, aber ich wage es noch nicht. Doch bereits das wenige bewirkt etwas. Und ich merke: Es kann für das Gegenüber auch eine Entwicklungschance sein.

    Gefällt 3 Personen

  2. Ach Alice… und wieder so ein Beitrag, den ich so gut nachfühlen kann… Ich glaube, es ist etwas anders gelagert – ich muss mich endlich von den mich emotional ausbeutenden Narzisten befreien, auf die ich immer wieder reinfalle. Aber die Art der Entscheidung, vor der wir stehen, und der Wunsch, endlich wieder selbstbestimmt und alleine glücklich zu werden, scheinen uns zu verbinden.
    liebe Grüße und Kopf hoch – möge der Nacken das mitmachen!
    Lea

    Gefällt 1 Person

  3. Geliebte Alice,
    die Erfahrung zeigt, je weniger du in dir über Andere nachdenkst, wenn diese gar nicht im Raum sind, umso mehr Freiraum tut sich auf. Dann kann es passieren, dass du plötzlich an einem Ort ganz allein bist, den du zuvor stets nur bevölkert erlebtest. Und dort liebkost dich die Stille, welche für den unruhigen Geist wie ein heilsamer Balsam wirkt. Still sein und sich selbst in den Arm nehmen, kann ebenfalls sehr hilfreich sein.
    Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende.
    Segensreiche Grüße * Luxus

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s