ABC-Etüde – Rendezvous

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Olpo Olponator.

Ihm stockt der Atem, als sie die Haustür öffnet. Er hat sich Mühe gegeben, pünktlich zu sein, doch es wurden die üblichen fünf Minuten. Das einzige Jacket hatte sich hinten im Schrank versteckt und an der Tankstelle, wo er noch rasch ein paar Blumen besorgte, fand er sich am Ende einer langen Schlange wieder, weil so ein großspuriger Idiot mit dem Kassierer über den Benzinpreis diskutieren musste.

Den Rest der Strecke benutzt er das Blaulicht, überfährt drei rote Ampeln und schafft es dennoch nicht.

Sie lächelt als er ihr den zerknautschten Strauß überreicht und hält ihm zwei Ohrringe vor die Nase. Es befremdet ihn, dass sie ihm die Auswahl überlässt und er entscheidet sich spontan für kleine weiße Perlen.

Während sie im Badezimmer verschwindet, weist sie mit dem Kinn auf eine bereits geöffnete Flasche Wein und eine wassergefüllte Vase. Er fühlt sich nicht überrumpelt. Er ist verzaubert.

Auf dem Revier sind sie sich schon häufiger über den Weg gelaufen. Eine schlanke, zarte Person mit strengem Pferdeschwanz und großer Brille, den Körper in einen blauen Kittel gehüllt. Er hat ihr nie einen zweiten Blick gegönnt, nicht sein Typ, auch wenn ihre Intelligenz und ihre Fröhlichkeit ihm gefielen.

Nichts hat ihn auf diesen Anblick vorbereitet. Die langen Haare locker hochgesteckt, so dass aufmüpfige Locken ihren schmalen Nacken umspielen. Die Augen, brillenentlastet, groß und dunkel. Das Kleid, ein Versprechen, lässt seinen Blutdruck steigen.

Er gießt sich ein Glas Wein ein und leert es in einem Zug. Kein Wort über den Fall, schwört er sich, der Katamaran und der Killer werden für eine Nacht totgeschwiegen.

Nur sie und er, hofft er und schiebt all seine Ängste beiseite.

Alice

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christiane sagt:

    Wird mir immer sympathischer, dein Kommissar. Ich wünsche ihm eine angenehme Nacht.
    Aber hey, das erste Date, und dann gleich bei ihr. Da geht aber eine ran … Okay, gehen wir mal davon aus, dass wir uns out of Corona bewegen, sonst ist es tatsächlich schwieriger. Was für eine Agenda mag die wohl haben? 😉
    Liebe Grüße
    Christiane, sehr angetan, du weißt schon 😁🍷🌞🌕👍

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    1. Naja, ich denke, sie gehen noch essen. Aber sie ist tatsächlich die treibende Kraft. Er könnte sich ja wehren, doch davon ist er meilenweit entfernt.
      Und ja, Corona gibt es da nicht😉❤
      Liebe Grüße und danke 🙏🌷
      Alice

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  2. Das Blackout an der Türe ist imponierend…
    „…schiebt ALLE Ängste beiseite.“
    Was für ein Mann … ein Held !!

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      1. Was ich nicht präzise schrieb: ich bin heute noch VOR dem Kaffee, ist mir aber wichtig zu sagen – ich meinte die graphische Form des Blackouts. In Verbindung mit dem Text daneben natürlich 😉

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      2. Danke dir 😊 ich muss gerade feststellen, dass viele meiner Kommentare einfach weg sind…

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