ABC-Etüde – Der Kommissar

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Olpo Olponator.

Seit Jahren meidet er die vorderste Front. Er hat es sich verdient, so redet er es sich zumindest ein, aus der Ferne betrachten zu dürfen.

Und das tut er jetzt seit einer halben Stunde und das Bild ist schief.

Dieser Mann, seine Frau und der lächerlich orangefarbene Katamaran. Ein Drama in drei Akten. Vorspiel. Kampf. Tod. Das eine gibt es nicht ohne die anderen Beiden.

Er schnalzt mit der Zunge. Nur in welchem Teil sie sich befinden, weiß er nicht.

Er kramt eine zerknautschte Zigarettenschachtel aus der Tasche und zündet sich einen der filterlosen Sargnägel an. Seit die Risiken nicht mehr totgeschwiegen sondern gut sichtbar auf den Verpackungen abgedruckt sind, kann niemand sagen, er hätte es nicht gewusst. Er sollte es sich abgewöhnen. Stattdessen inhaliert er tief und lässt den Qualm langsam durch die Nasenlöcher entweichen.

Er steht seitlich von diesem seltsamen Pärchen, das am Kai kauert. Der gebückte trauernde Witwer und der hilflose Polizist. Die Geschichte, die dort hinten erzählt wird, interessiert ihn nicht. Später kann er sie in der Akte nachlesen. Da wird irgendwas von Unfall stehen, aber das glaubt er nicht.

Für einen Sekundenbruchteil ist es da, genau in dem Moment, wo der jung Polizist versucht, ihn zu trösten und dabei jene magische Grenze zwischen freundlicher Distanz und persönlicher Nähe überschreitet. Er wird mit ihm reden müssen – später.

Er sieht die Hand auf der Schulter landen und das besorgte Gesicht sich dem älteren nähern, da huscht ein großspuriger Ausdruck des Sieges über des Witwers Miene. Die Mundwinkel huschen erst nach oben, gefolgt von einem Ausdruck der Verachtung.

Er scheint nicht zu glauben, dass er überführt werden kann.

Die Zigarette landet auf dem Boden und glüht dort weiter. Der Kommissar geht zum Auto. Er hat genug gesehen.

Alice

14 Kommentare Gib deinen ab

  1. Verstehen ist gut, aber Fakten wären besser. Da wird er noch suchen müssen.

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    1. So sieht es aus. Aber wenn er nicht zweifeln würde, würde er nicht suchen

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  2. Ulli sagt:

    Klasse, mitten aus der Krimiwelt heraus und wunderbar bildhaft – mag ich sehr!
    Liebe Grüße
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich danke dir 🙂
      Lieben Gruß
      Alice

      Gefällt 1 Person

  3. Krimis nehm‘ ich normalerweise zum Einschlafen (im Nichtmehrflimmerkasten). bei der Lektüre hätt‘ ich Schwierigkeiten damit… Verdammt.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich nehm’s als Kompliment 😉

      Gefällt 1 Person

  4. Christiane sagt:

    Sehr schön. Dieser eine Gesichtsausdruck plus die Erfahrung des Kommissars, dass er auf das bauen kann, was er da gesehen hat. Prima. Ich setze weiterhin auf den Kommissar.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🍷👍

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  5. Schon mal daran gedacht, ein Buch zu schreiben? Krimis, aufgelockert durch die niedlichen Fuzzies? 😉

    Liebe Grüße,
    Werner

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    1. Bin gerade beim Comic dazu… ohne Fuzzie. Und ein Krimigeschichtenbuch gibt es schon😄

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      1. Ups, dann habe ich wohl etwas übersehen. (oops)

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      2. 😂😂😂👍❤

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  6. Katharina sagt:

    Mit Menschenkenntnis den Mörder „überführt“. Kann man nur hoffen, dass er auch Beweise findet. Ich finde es auf jeden Fall interessant, dass du diese Perspektive gewählt hast.

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