Veröffentlicht in Mal über mich

Lieben in den Zeiten von Corona – Teil 2

Was wäre wenn, ging mir gestern Abend durch den Kopf. Ein Mann meines Alters, fit, gesund lebend (was ich nicht immer mache) starb an den Folgen. Die Einschläge kommen näher und es fühlt sich seltsam an.

Konnte ich jeglichen Krebs trotz Raucherei immer entspannt zur Seite schieben, trifft mich das auf einmal und ich beginne zu grübeln.

Was wäre wenn? Was ist mit meinen Kindern, wenn ich zu den paar Prozent gehöre? Reicht das, was ich geschaffen habe, um ihnen den Start zu ermöglichen? Habe ich ihnen genug mitgegeben an Lebenskompetenz und Wissen? Wissen sie, wie sehr ich sie liebe?

Und was ist mit mir? Ist das, was ich erlebte hinreichend für ein erfülltes Leben? Sollte ich vielleicht handeln und schachern, was ich tun werde, wenn es mich nicht erwischt?

Nein, ich verfalle nicht in Panik. Ich denke nach und weigere mich, die Situation zu verharmlosen. Sie ist real. Ebenso real wie der LKW, der mich auf dem Weg zur Arbeit umsemmeln könnte. Real wie Krebs und Schlaganfall. Real wie ein Wespenstich in den Rachen und ein Dachziegel auf dem Kopf.

Menschen sterben. Ich auch. Irgendwann. Woran und weshalb, weiß ich nicht, will ich auch nicht wissen. Nur bitte nicht jetzt, ich habe noch so viel vor.

Doch was eigentlich? Anfang 50 hätte ich gerne noch mindestens 30 Jahre, gerne 40. Dass das geht, hat mir unser Altbundeskanzler gezeigt. Was würde ich damit anfangen, hätte ich sie.

Klar, ich würde arbeiten, Jungspunden, die langsam aus dem Kinderalter zum Enkelkinderalter mutieren, etwas erklären. Sie wohl immer weniger verstehen und ihnen innerlich den Rücken drehen.

Ich würde fotografieren und zeichnen, die eine oder andere Geschichte schreiben, mich freuen, wenn sie wem gefällt. Ich würde das Haus putzen, im Garten werkeln, mit den Hunden spielen, alles wie immer. Eine nicht enden wollende Schleife an Tagesaktivitäten, die sich immer wieder abspulen. Dafür? Da lässt sich kein handelnder Geist drauf ein. Ich auch nicht.

Ich kaufe schließlich auch keine Serie, die ich schon zehn Mal geguckt habe. Nur, um zu bemerken, dass die Hauptdarsteller von Wiederholung zu Wiederholung müder und älter werden, den Text nur noch lieblos herunterrattern und am Ende doch in das altbekannte Finale schlittern.

Anders wäre gut. Innerlich und äußerlich. Mehr mögen, weniger fürchten, auch mich. Mehr lachen und tanzen, Momente schaffen, an die ich mich erinnern möchte. Dem Hamsterrad Wert geben, jeden Tag, als wüsste ich, dass die Stunden gezählt sind.

„Im Angesicht des Todes, sind wir vom Leben umgeben“ Das sagen sie bei Beerdigungen immer. Das Leben sind nicht die Zurückgebliebenen, das Leben ist die Chance davor.

Ich muss jetzt nachdenken und ein bisschen arbeiten. Bleibt am Leben und gesund.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

15 Kommentare zu „Lieben in den Zeiten von Corona – Teil 2

  1. Ich denke, wir leben einfach so weiter. Das „was wäre wenn“ macht einen nur kaputt. Egal bei welcher Krise oder Situation.
    Schauen wir geradeaus nach vorne und machen das berühmte „think pink“ für die Zukunft.

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      1. Das ist auch ok, keine Frage. Nichtsdestotrotz hat ein Zuviel von wenn-dann auch ziemliche destruktive Folgen.
        Das Denken sollte man natürlich nicht stoppen aber auch nicht übertreiben.

        Gefällt 1 Person

  2. Gedanken machen was wäre wenn es einen erwischt ist gerade total falsch am Platz ! Einfach gesagt als getan und auch ich denke daran ! Man kann es natürlich aber auch nicht ausschalten weil man jeden Tag davon berieselt wird. Die Medien sorgen dafür !
    Ich komme täglich ins Büro und habe im Stockwerk 8 leere Büroräume weil alle im Home Office sind. Da kommt schon der erste Gedanke von Corona Zeiten.
    Tagsüber das gleiche und abends wieder vor dem Fernsehen ! Habe noch kein Mittel gefunden abzuschalten !

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  3. Ich bin zunehmen genervt davon, dass man überall nur noch Corona, Corona, Corona hört.Eine gesunde Berichterstattung, 1 – 2 x am Tag im TV oder Radio, fertig. Diese permanente Beschallung via Social Media macht doch nur eines; sie macht den Menschen Angst. Angst ist leider kein guter Wegbegleiter, egal in welcher Lebenslage, denn Angst bringt den Körper dazu Cortisol auszuschütten, Cortisol reduziert das körpereigene Immunsystem und voilà …… jede Krankheit kann durch die geöffneten Tore hereinspazieren.

    Auch ich gehöre zur Risikogruppe 50+, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich – sollte es mich tatsächlich treffen – die Sache einigermaßen unbeschadet überstehen werde.

    In diesem Sinne – bleib gesund und mach Dich nicht verrückt.
    LG Babsi

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  4. Es ist auch ohne Corona für viele später, als sie denken. Und ob alt werden Segen oder Fluch ist. liegt oft an den Betroffenen. Ich hatte mit 25 auf einer ausgelassenen Party „Halbzeit“ gefeiert. (es war 69 und da gab es gerade eine wunderbare Erfindung). „Über dreissig“, sollte man eh`keinem trauen. Mit 50 meinte ich, dass das doch nicht alles gewesen sein könnte. Also noch ein bisschen mehr Job. Mit 73 Umzug in ein neues Haus, in einer neuen Umgebung. Und vor einigen Tagen habe ich ein neues Boot geordert. Ach so, den dafür nötigen Führerschein machte ich mit 74.. Als ich noch an Rennen teilnahm hätte es ja auch täglich vorbei sein können, genau wie heute. Also keine Angst vom Älterwerden. Das Wichtigste ist ein“roter Ordner“, in dem soll alles stehen was nachher von anderen erledigt werden muss – den hatte ich aber schon vor 25 in meinen Wohnungen oder im jeweiligen Hotel meiner Startorte, deponiert 😊 Bleib weiterhin gesund!

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    1. Mit 25 Halbzeit feiern, weil Leben nach 50 nicht mehr taugt? Ja, der Blickwinkel verschiebt sich mit den Jahren. Ich habe mit 40 eine neue Ausbildung gestartet. Heute würde ich es auch noch tun, nur dieses mal mehr für mich und weniger für das Geld. Pläne stehen in den Startlöchern, vielleicht trotzdem ein guter Gedanke, was ich mit dem Rest anfange. Ein neues Boot, sehr cool. Bleib gesund und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
      Liebe Grüße
      Alice

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      1. Dir muss doch gar nichts mehr einfallen. Mit Deinen Hobbys bestehst Du ja schon heute jede Vielseitigkeitspruefung.. Und dass man den erlernten Beruf nicht ein Leben lang ausübt ist inzwischen ja auch angekommen. Als ich wechselte galt das noch etwas exotisch.. Freuen wir uns auf die Zeit nach dem Virus. Bis dahin weiter aufpassen!! Alles Gute!☺️

        Gefällt 1 Person

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