Veröffentlicht in Mal über mich

Lieben in den Zeiten von Corona – Teil 1

Ich schreibe selten Mehrteiler, meistens ahne ich schon, dass ich für einen zweiten Beitrag nicht genug Luft habe oder sie mir selbst abschnüre. Nur dieses Mal hat das Thema Potential.

Wobei, was schreibe ich, es ist potentiell gefährlich.

Mein Mann muss außer Haus. Er gehört zu denen, auf die nicht verzichtet werden kann. Vor Ort und dabei, da gibt es keine Diskussion. Und er kommt Menschen nahe, berufsbedingt. Sie gehören zwar nicht zu der Gruppe, die sich jetzt draußen aufhält. Und doch. Gerade jetzt ist es irgendwie seltsam.

Ich bin Menschen gerne nahe. Naja, nicht allen. Aber die, die ich mag, die knuddel ich auch. Würde ich auch mit einem großen Teil von euch tun. Geht nur nicht. Nicht virtuell und nicht jetzt. Würde ich nicht. Abstand hielte ich ein, wenn wir uns auf der Straße begegnen würden. Und ihr auch.

Mann und Söhne sind zur Zeit meine Kuschelhormonquellen, zumindest bis auf Weiteres. Begegne ich Nachbarn und Bekannten, winke ich aus der Ferne. Und das ist gerade nah genug.

Kreuzt jemand mit dem Einkaufswagen meinen Weg, ziehe ich mich defensiv zurück. Und er auch. Wir werden höflicher, lassen Vortritt, halten endlich den sozialen Abstand ein, den wir normalerweise zum Wohlfühlen brauchen.

Keine angeatmeten Nackenhaare mehr, kein Stehenbleiben und Querstellen in engen Supermarktgängen, weil man Frau XY von Gegenüber getroffen hat. Keine Wagen in den Hacken in langen Schlangen, wo die Waren des Folgenden schon in unsere zu stürzen drohen. Es ist nett da draußen. Wir umkreisen uns und wünschen uns viel Gutes.

Ich sehe viele Menschen lächeln, sie machen langsamer. Die Straßen sind leerer, selbst die Dauerdrängler haben Zeit. Nichts geht mehr und doch passiert so viel.

Auch in meinem Job. Ich chattete heute mit drei Kolleginnen, mit denen ich normalerweise fast nichts zu tun habe. Es war nett und hilfreich – und überfällig.

Kontakte werden wertvoller, will man keinen Familienkoller bekommen. Der Mann nutzte Skype für das traditionelle schwarze Auge mit seinen Kumpels, ich entspannte vor den Flimmerkiste. Ab und an rennt ein Sohn durchs Bild, sucht nach Ansprache und Kontakt, erzählt vom jüngsten Spiel oder anstehenden Projekten. Dann gibt es einen Kuss und sie ziehen weiter.

Wir werden uns wertvoll, die Welt da draußen ist für ein Weilchen verboten.

Doch was ist mit den Alleinlebern, den Nichtverknüpften Einzelgängern, den verwaisten Alten, den Singles, die normalerweise ihr Bedürfnis nach Nähe durch das Treffen mit Freunden stillen? Verboten, von jetzt auf gleich und ein Plan ist nicht in Sicht. Die Frage, ob ein Spaziergang erlaubt ist, ob man wen treffen darf, steht im Raum.

Mein Mann kommt gerade rein, muss jetzt geküsst und geknuddelt werden. Bis später 😉

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

11 Kommentare zu „Lieben in den Zeiten von Corona – Teil 1

  1. Auch ich lebe allein, oft gerne. Jetzt ist es anders, da ich nun schon in die vierte Woche Kranksein gehe. Manchmal kullern mir die Tränen, dann will ich nur noch eine Schulter, zwei Arme, aber nun, sie sind nicht da.
    Aber ich habe Kontakt mit vielen per Netz und Telefon und auch die Enkelkinder kamen mich heute besuchen, nebst meiner Tochter, wir haben beschlossen weiterhin Kontakt zu haben, wir haben uns eh sehr viel in den letzten Wochen gesehen. Ich gehe davon aus, dass sie mich nicht krank machen, bin ich ja eh schon!
    Gutes euch und liebe Grüße
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich empfinde es auch so, dass viele Menschen im Moment Rücksicht nehmen und Abstand halten. Mit einigen hatte ich angenehme Gespräche über eine sichere Distanz. Abstand zu Familie und Freunden zu halten ist schmerzhaft für mich, aber ich halte mich daran in der Hoffnung, das Beste für alle zu tun.
    Alles Gute für euch!

    Gefällt 1 Person

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