ABC-Etüde – Das war`s

Zu den Etüden bei Christiane, Wortspende von meinereiner.

Die ersten Meldungen hatten harmlos geklungen. Irgendwas von einer neuen Grippe am anderen Ende der Welt. Ein paar starben zu Beginn und sie dachte, dass das die Üblichen seien. Alte, Kranke, Immunschwache, eben solche, die sowieso bald dran gewesen wären.

Sie machte sich noch keine Sorgen, als die Infektionen ihr Land erreichten, dann ihre Stadt. Die Sterbefälle nahmen zu, von einem Impfstoff war man weit entfernt, die Grippemittel halfen nicht.

Die Statistiken rutschten auf die erste Seite der Tageszeitung, bald gab es kein anderes Thema mehr. Es wurde empfohlen, Mundschutz zu tragen, knuddeln wurde zur Gefahr, besser man blieb zu Hause und allein. Sie traf Vorkehrungen, klebte die Fenster mit Folie und Panzerband ab, hortete Vorräte und besorgte sich einen Atemschutz. Die Angst kam und ging, sie wollte überleben, das Handeln lenkte sie vom Denken ab.

Heute geht sie durch die Straßen. Die Gasmaske schützt sie vor Erregern und dem Gestank, der wie eine faulige Wolke über der Stadt liegt. Ein paar Skelette liegen gebleicht in der Sonne. Am Ende gab es zu wenige, um die Toten wegzuräumen.

Seit Wochen hat sie keinen anderen Menschen getroffen, sie scheint die Letzte zu sein. Die Sonne geht hinter den Hochhäusern unter. Nachdenklich löst sie den Riemen unter ihrem Kinn.

Alice

27 Kommentare Gib deinen ab

  1. Arthrotia sagt:

    So stell ich mir auch die Zeiten von Cholera und Pest vor. Mal sehen was da jetzt auf uns zukommt.

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    1. Ich hoffe, ich habe maximal übertrieben

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      1. Arthrotia sagt:

        😷😳🥵

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  2. Christiane sagt:

    Ich glaube auch, dass du maximal übertrieben hast, aber das war echt das Erste, woran ich dachte, als ich sah, welche Wörter die nächsten beiden Wochen spielen werden: Mal sehen, wie viele Corona-Etüden dabei sein werden …
    Sehr beklemmendes Szenario, das du entwirfst.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Ich war gerade in postapokalyptischer Laune. ich schau mal, was ich mit den Wörtern noch so anstellen kann 😉
      Liebe Grüße
      Alice

      Gefällt 4 Personen

  3. Ich gehe auch mal von einer Übersteigerung aus in diesem Fall. Allerdings ist es für mich durchaus vorstellbar, dass die Natur eines Tages durch eine echte Seuche oder ähnliches wehren wird.
    Gesetzt den Fall, es blieben nur einige wenige verschont, die dann von vorn beginnen könnten, würde mich interessieren, wieviel sie verstanden hätten und wie schnell erneut der zerstörerische Zustand errreicht wäre, den wir heute sowohl ökologisch als auch ökonomisch erreicht haben. Da würde ich mich gern mal auf ein Planspiel einlassen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich fürchte , dass solche Formate wie „Walking Dead“ ganz gut beschreiben, wie die Menschen werden würden.

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      1. Sind nicht sehr viele Menschen heute schon The Walking Dead, nur ohne die Optik. Was u. U. weitaus gefährlicher ist.
        Ich denke eher, dass es ganz natürlich und sauber wieder beginnt – vorausgesetzt, ausreichend Wasser und Boden zur Nahrungsgewinnung wird vorhanden sein. Doch bestimmte Prozesse der Selbstzerstörung entstehen ja immer wieder.

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  4. Katharina sagt:

    Ich glaube, viele sehen die derzeitige Situation schon so. 😉 Ich nehme es als gut beschriebene Fiktion. Die Stimmung ist so nüchtern, dass es noch beklemmender wird. Gefällt mir wirklich gut.
    Grüße, Katharina

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  5. puzzleblume sagt:

    Ergreifend finster.

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  6. Beklemmend und leider nicht ganz von der Hand zu weisen, so eine Situation. Mögen bis dahin, wenn es denn überhaupt passieren muss, noch viele Jahrhunderte ins Land gehen. …..
    Auf jeden Fall sehr gut und eindrucksvoll geschrieben!

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    1. Ich danke dir 😊🙏 und ja, ich hoffe auch, dass es einfach nur eine Vision bleibt

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  7. Anna-Lena sagt:

    Hoffen wir, dass es niemals so weit kommt, aber ausschließen will ich das auch nicht! Beängstigend und doch irgendwie nicht von der Hand zu weisen.
    LG Anna-Lena

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    1. Es gab immer Pandemien und es wird sie auch immer geben. Bisher hatten wir Glück und gute Medikamente, hoffen wir, dass es so bleibt.
      Liebe Grüße
      Alice

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      1. Anna-Lena sagt:

        Die Hoffnung stirbt zuletzt und recht hast du 🙂 .
        Liebe Grüße auch dir!

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  8. Myriade sagt:

    Ich habe bei ‚gebleicht“ auch zuerst an Knochen gedacht

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    1. Hatte ich auch im Kopf😊

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  9. Beklemmend beschrieben. Dass sie aber die Letzte wäre, das kann sie doch gar nicht wissen!

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    1. Nein, natürlich nicht. Doch glaubst du nicht, dass ein Mensch irgendwann die Hoffnung verliert, wenn er das Gefühl hat, ganz allein zu sein. Unabhängig davon, ob da vielleicht doch noch jemand ist?

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      1. Ich wäre wohl auch erst total deprimiert, aber letztlich würde ich mich doch auf die Suche machen

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      2. Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie lange ich suchen würde.
        Lieben Gruß

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  10. gingerpoetry sagt:

    Morbide…aber wie immer ein toller Text von dir! Mich hat die Coronahysterie auch getriggert, aber anders. Ist irgendwie wohl unterschwellig immer im Kopf.

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    1. Klar, manche verbreiten gerne Panik. Da kann man sich schwer von lösen.

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  11. Es muss ein Schock sein, sich als einzige Überlebende nach so einer Katastrophe wiederzufinden. Wie sucht man nach Überlebenden, denn die moderne Kommunikationstechnik versagt ja irgendwann auch? Sehr anschaulich und realistisch dargestellt.

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    1. Danke dir 😊🙏🌷

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