ABC-Etüde – Dilemma

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende von ebendieser.

„In einer besseren Welt wie dieser, gäbe es all den Luxusscheiß nicht!“ Demonstrativ unvorsichtig wirft sie Handy, Tablet und die neuen Kopfhörer in den Rucksack.

„Jetzt hör‘ aber mal auf, du hörst dich schon an wie Opa, wenn er aus seiner wilden 68er Zeit erzählt. Das, was du da rumschmeißt, hat ein Heidengeld gekostet. Und du wolltest diesen Scheiß, wie du ihn nennst, unbedingt haben. Was hat sich geändert?“ Sie lässt sich auf das Bett neben die gepackten Koffer sinken und schaut ihre Tochter nachdenklich an.

„Die Welt hat sich geändert. Oder das Klima. Oder ich mich. Ich weiß nicht.“ Sie seufzt und zuckt die Schultern.

„Ich weiß nicht mehr, was richtig ist. Fährt man in Skiurlaub, sind die einen neidisch, die anderen sagen, man macht die Berge kaputt. Das führt zu Er -Er- Erodingsbums und zu Lawinen. Nutzt man Internet, verbraucht man Strom, die Strahlung bringt uns alle um und die Rohstoffe werden von Kindern mit bloßen Händen aus dem Boden gegraben. Hat man keins ist man die Tussi von vorgestern.“

„Tja“, sie lehnt sich gegen den halbvollen Koffer und lächelt jetzt.

„Alle schreien Umweltschutz und irgendwie hält sich niemand dran. Die E-Autos sind auch nicht so toll. Und alles soll von selbst gehen, aber nutzen darf man es nicht mit guten Gewissen. „

„Und jetzt? Sollen wir wieder auspacken?“

„Nee! Aber weißt du? Alle kommandieren einen herum, aber keiner erklärt einem so richtig was. Ich fühle mich doof und mickrig und hab das Gefühl, alles verkehrt zu machen. Und das macht mir Angst.“

„Und dich wütend.“ Sie steht auf und legt die Arme um die Tochter. „Weißt du was? Ich bin stolz auf dich. Du bist eine wirklich kluge junge Frau.“

„Weil ich nichts weiß?“

„Ja, weil du verstehst, dass es keine perfekte Lösung gibt.“

Alice

24 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christiane sagt:

    Ich weiß nicht, ob ich die Einzige bin, aber bei mir ist deine Etüde nicht im Reader, nur als Info.
    Was schade ist, denn ich finde sie sehr nachdenklich und berechtigt, und sie beschreibt das Dilemma, in dem wir stecken, sehr gut. Zumindest eins davon. 😉
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🐱👍

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    1. Ich schau mal, das Problem habe ich von zeit zu Zeit

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      1. Christiane sagt:

        Jetzt nicht mehr, jetzt sehe ich sie. Und auch der Ping ist da, der hat vorher auch gefehlt. 👍

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      2. Jepp, ich habe sie noch einmal hochgeladen 👍👍👍

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  2. Arthrotia sagt:

    Wir können einfach nicht mehr zurück. Irgendwie ist unsere Welt abhängig von all der Technik; auch wenn sie schädlich ist. Wir könnten ohne sie schon nicht mehr leben. Scchade.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, das ist schade, doch es kann auch ein Ansporn sein, wieder etwas mehr Kontrolle hinein zu bringen, indem man sich von der ganzen Technik emanzipiert.
      Liebe Grüße
      Alice

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      1. Arthrotia sagt:

        Auf Alexia und Cortana können wir bestimmt verzichten. Den Fernseher können wir auch aus lassen. Dann wird wieder mehr gelesen, gespielt, Zeit miteinander verbracht.
        Ich erinnere mich noch an die Zeiten, an denen ich zu Besuch bei meinen Eltern war. Diese Ruhe, diese Stille. Kein Radio, keine Musik, nur zu bestimmten Zeiten war der Fernseher an. Und wie schön es dann war zu lesen. Keine Hektik oder Stress.
        Es gibt sicherlich für jeden von uns Möglichkeiten im Kleinen auf Technik zu verzichten. Aber in der Industrie, bei unserer täglichen Arbeit, selbst in der Landwirtschaft wird nicht mehr ohne sie gearbeitet. Da wird sie uns vorgegeben. Da haben wir die Kontrolle schon völlig verloren. Effizienz und Effektivität bestimmen hier und nicht jeder kann dazu nein sagen, aus rein existenziellen Gründen.
        Viele Grüße, Ursula.

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      2. Ich kenn das gut, diese berufliche Abhängigkeit von Technik. Wobei mir auch immer noch ein Stück Kreide reicht, wenn mal wieder nix klappt.
        Ja, auf Vieles können wir verzichten, auf Vieles aber auch nicht mehr.
        Liebe Grüße
        Alice

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  3. An dem Punkt, dass der Strom für unsere ganze zukünftige e-Mobilität ja auch irgendwo herkommen muss bleibe ich auch immer hängen…

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    1. Ja und an den Rohstoffen für die Batterien und dass die kaum zu löschen sind, wenn sie mal brennen….

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  4. Ulli sagt:

    Ja, wir haben uns an vieles gewöhnt und meinen ohne es nicht mehr leben zu können, du benennst in deiner Etüde klar die Fallen und Schäden für Umwelt und Seelen. Und nu?
    Liebe Grüße
    Ulli

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    1. Weiß nicht! Das ist es ja. Weniger ist momentan für mich das Zauberwort, aufpassen, bewusst handeln. Ich kann nirgends mehr eine Waschmaschine kaufen, die 30 Jahre hält. Aber ich kann auf möglichst viel Elektronikschnickschnack verzichten, den ich eh nie brauche. Und das ist ein Anfang (vielleicht hält sie dann auch ein wenig länger 🙂 )
      Liebe Grüße
      Alice

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  5. Katharina sagt:

    Ich glaube genauso geht es vielen. Ganz häufig endet es in „ganz oder gar nicht“ und dann im letzteren. Ich glaube fest ans Reduzieren und das tun, was man kann.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 2 Personen

    1. Reduzieren finde ich gut und bewusst konsumieren… mehr geht nicht, wenn man nicht aussteigen will
      Liebe Grüße
      Alice

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  6. gingerpoetry sagt:

    Eine Etüde, die mich nachdenken lässt…und dazu noch gut geschrieben. Freu mich auf mehr!

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    1. Ich danke dir 🙂

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  7. Genau, wer genauer hinsieht, erkennt, dass das alles nicht so einfach ist mit dem Umweltschutz. Deine Etüde zeigt das sehr genau, schön geschrieben.

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    1. Ja, das ist leider so.
      Vielen Dank dir 🙏😊
      Alice

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  8. In wenigen Worten hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen und Deine Protagonistin gemerkt, dass es nicht einfach Richtig oder Falsch gibt. Gefällt mir sehr gut!

    Gefällt 1 Person

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