Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 308/365 – Leere Zimmer

Ich mag leere Zimmer. Räume, in denen ich von Zeit zu Zeit mit mir alleine bin. Keine Menschen, die reden oder sonstige Aufmerksamkeit wollen.

Ich nehme mir, sofern sich so eine wundervolle Szenerie einstellt, immer ganz viel vor, hoffe, große Stapel abarbeiten zu können, kreativ zu sein, an den verschiedenen Baustellen weiterarbeiten zu können.

Manchmal klappt das auch ganz prima und ich bin hochkonzentriert, zielorientiert und schaffe ein Riesenpaket in kurzer Zeit.

An anderen Tagen sitze ich da und schaue die Wand an. Ich sehe die Türme an Arbeit, die in den Himmel wachsen und schaffe noch nicht einen verflixten Handschlag.

Gleich, denke ich mir und nehme mir vor, nur noch ganz kurz zu entspannen, nur noch eine klitzekleine kreative Pause einzulegen.

Und dann ist der Tag vorbei.

Der Ärger über die „verpasste“ Gelegenheit steht dabei im Widerstreit zu dem Gefühl, auch mal nichts machen zu dürfen.

Unentspannt sind beide Situationen.

Bisher dachte ich immer, dass nur ich alleine so eine katastrophale Arbeitsmoral habe, doch dann kam mein Sohn an, schilderte mir exakt dasselbe und wie er mit sich hadere, wenn er seine Arbeit immer weiter vor sich herschiebt und an freien Tagen lieber stundenlang im Bett liegt, anstatt zumindest ein bisschen zu tun. Dann kam gestern auf der Heimfahrt ein ähnliches Thema auf und ich begann zu grübeln.

Es ist ja nicht nur die besungene Aufschieberitis, wo mein Rudel an Höllenschweinehunden knurrend vor sämtlichen Arbeitsplätzen sitzt. Ich möchte ja, ich freue mich sogar darauf, aber meine Gedanken sind nicht frei. Die Umwelt ist, trotz leerer Zimmer, nicht auszuschalten, die Grübelgedanken werden sogar lauter und nachhaltiger.

Ein Patentrezept gibt es nicht, das ist mir bewusst. Doch werde ich in Zukunft ein wenig genauer hinschauen, wann ich wie und wo gut und zufrieden arbeiten kann, wo ich am besten entspanne und wie es mir manchmal doch gelingt, alles andere aus meinen leeren Zimmern auszusperren.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

14 Kommentare zu „Tag 308/365 – Leere Zimmer

      1. Ja, die habe ich gemacht. Als ich im letzten Jahr mich in Composings versuchte, habe ich ganz viel alten Kram aus unserer Physiksammlung fotografiert.
        Danke für das Kompliment, es gehört tatsächlich zu meinen Lieblingsbildern.
        Lieben Gruß nochmal 🙂
        Alice

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    1. Wenn ich sie nicht umgesetzt bekomme, quälen sie. Oder wenn sie nach anfänglicher Euphorie am strengen Schulmeister in mir scheitern.
      Ich bemühe mich, das als das anzunehmen, was es ist und es „nicht zu ernst zu nehmen“ wie überhaupt das ganze Leben.
      Gelingt mal… und dann auch wieder nicht.
      lieben Gruß
      Alice

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      1. Was ich hier poste unterliegt meinem Urheberrecht, abgesehen davon ist die Auflösung so schlecht, dass ein Herunterladen nur jämmerliche Ergebnisse gibt. Sollte es doch einer tun und ich erwische ihn, gibt es Zores 🙂

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      2. Ich meine das nicht unbedingt im Hinblick auf geistigen Diebstahl, sondern als nützliche Information, dass einer wie ich nicht nachfragen muss. Korrekte Nachweise und Zitate haben eine Vorbildfunktion, damit diese nützlichen Elemente aus der Buchkultur auch digital gebräuchlich werden.

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      3. Okay, das ist ein Argument, über das ich noch gar nicht nachgedacht habe.
        Bei facebook bin ich in ein paar Fotogruppen und da empfinde ich es beim Betrachten der Bilder als anstrengend, wenn überall der Name ins Bild hopst.
        Bei Zeichnungen bin ich da frecher und es gehört irgendwie dazu 😉

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  1. Wenn man diesen entspannten Modus doch nur bei behalten würde,
    der dafür gesorgt hat, daß man vielleicht die eine oder andere „Möglichkeit“ verpaßt hat.
    Doch bei der nachbetrachtenden Reflexion dieser Entspanntheit passiert dann meist etwas kurios-paradoxes: Die gewonnene Ruhe und Kraft wird sofort verpulvert durch diese „Vorhaltungen“ eines quengeligen, ätzenden Areals in unserer Denkmaschine, welcher Diktator-gleich Vorhaltungen macht, die gewonnenen entspannten Energien über Gebühr aufbraucht und dabei auch noch die vorhandene (ausgleichend, weiterreichende) Logik in den anderen Arealen unterdrückt, was dann noch blöderweise negativ in Richtung Herz und Bauch ausstrahlt.

    Hatte der Tyrann seinen Auftritt, meldet sich mit unter diese zarte Stimme der Logik (welcher wir zumindest in solchen Fällen ein Megaphon schenken sollten) und erklärt uns dann ganz sachlich, wie verständlich, daß wir „im Leben“ nicht die Zeit hätten (so rein rechnerisch und überhaupt) alle diese Angebote und Möglichkeiten wahrnehmen können.
    Zeit also dem Gierlappen, diesem oben kurz beschriebenen Tyrannen ein paar Ketten anzulegen.
    Der wird natürlich erstmal heftig rebellieren, der Egoist mit Alleinstellungsmerkmal, doch mit der Zeit und über gewisse Konditionierungen (hatten wir das Thema nicht kürzlich?) wird er sich dann der Logik ergegen müssen, welcher er selbst immer so gerne im Schilde führt. Da scheint es nur ein Problem zu geben und irgendwie wie unweigerlich landen wir dann beim Thema:
    „Kognitive Dissonanz“ (;-) oder hat sich jetzt mein kleiner Tyrann verrannt???

    Alles Liebe,
    Raffa.

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