Extraetüden – First Time

Diese Etüde könnte für sensible Personen Trigger enthalten #Einsamkeit #Pubertät #Sex

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende stammt von Ludwig Zeidler und meiner Wenigkeit. 5 aus 6 und das mal 500 🙂

Es ist ihr erstes Mal. Sie weiß, dass es heute passieren wird. Er geht mit ihr und das ist schon ein kleines Wunder. Ihre Freundinnen haben alle schon verloren, was sie heute verschenken möchte.

Ein kritischer Blick in den Spiegel. Den kleinen Pickel auf der Stirn kann sie überschminken, die Hüftrollen wird sie nicht mehr los bis zum Treffen. Vorsichtig schneidet sie die Etiketten vom neuen BH und Slip ab und zieht sie an. In der Umkleidekabine fand sie sich hübscher. Wahrscheinlich haben die da Zerrspiegel, die mal eben so drei bis fünf Kilos verschwinden lassen.

Es ist noch viel zu früh, um sich anzuziehen. Sie wirft sich in der neuen Unterwäsche aufs Bett und greift sich den Liebesroman, den sie endlich zu Ende lesen möchte. Aber sie kann sich nicht konzentrieren und als sich die Heldin gerade seufzend dem Helden hingeben will, schmeißt sie das Buch in die Ecke.

Ihre Gefühle sind ambivalent. Sie ist noch nicht so weit. Seit fünf Wochen sind sie zusammen und er drängelt, lässt immer wieder durchsickern, dass er das, was er von ihr haben will, von jeder an der Schule haben könnte. Andererseits ist sie stolz, endlich einen Freund zu haben.

Sie versteht sowieso nicht, was er von ihr will. Klein, pummelig mit Brille und viel zu struppigem Haar entspricht sie nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal. Auch die Gespräche zwischen ihnen sind seltsam eintönig. Hübsch ist er, ohne Zweifel, aber nicht besonders helle. Letztens hat er wortwörtlich ihre variablen Kurven bewundert. Weiß der Henker, wo er das aufgeschnappt hatte.

Sie greift nach ihrem Handy und öffnet den Chatroom. Er ist online, wie immer. Sie schickt ihm ein Zwinkersmiley und wartet.

Doch er öffnet ihre Nachricht nicht, scheint sie woanders gut zu unterhalten. Wahrscheinlich erzählt er seinen Kumpels, dass er es ihr heute so richtig besorgen wird. Ihr wird übel.

Und wenn sie einfach absagt? Behauptet, dass sie krank sei oder ihre Oma gestorben oder sie noch Hausaufgaben machen müsse? Zu einer Verzweiflungstat wird er sich bestimmt nicht hinreißen lassen. Irgendwie glaubt sie auch nicht, dass sie ihm wichtig ist. Viel mehr hat sie das Gefühl, dass er alle Mädels im erreichbaren Alter flachlegen möchte.

Sie seufzt. So gerne würde sie jetzt mit einer besten Freundin reden, doch sie hat keine. Und ihre Mutter würde das nicht hören wollen, sich wieder die Hände über die Ohren legen und laut anfangen, zu singen. Und später erklären, dass sie sie ins Grab bringe.

Sie tippt seine Nummer ins Handy und wartet auf das Freizeichen. Er meldet sich mit einem Grunzen, sie scheint zu stören.

Tief atmet sie durch: „Ich mach Schluss.“

Alice

25 Kommentare Gib deinen ab

  1. ups!
    das ende kommt mir zu spontan. sie verfügt am ende über keinen anderen Kenntnisstand als zu der zeit, als sie sich noch auf das treffen vorbereitet. raffinierter (und schlüssiger) wäre eine geschichte von mädchensolidarität. er (und das hast du ja schon vorbereitet) baggert im Hintergrund eine Freundin von ihr an (warum sollte sie keine haben?), die ihr das schreibt. oder so. vielleicht lässt sie sich von ihm noch irre teuer ausführen, ehe sie schluss macht. 🙂

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    1. Nati sagt:

      In jungen Jahren denkt man nicht so weit. 😉

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      1. eben. warum sollte sie plötzlich ihre Meinung ändern?

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      2. Nati sagt:

        Teenies sind doch recht sprunghaft.
        War doch schon im Beitrag Konsum mehr als ersichtlich.
        Und es gibt auch junge Menschen die auf ihr Bauchgefühl hören.

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    2. Schade, dass dir das Ende nicht gefällt. Offenbar ist es mir nicht gelungen, die gedankliche Entwicklung klar darzustellen, die sie während der Wartezeit durchmacht und sie zu der Entscheidung kommen lässt, dass der Typ nichts für sie ist. Sie ist allein und muss sich darauf verlassen, was sie fühlt. Und zu sich stehen. Auf Freundinnen und andere Berater kann sie nun mal nicht zurück greifen.
      Lieben Gruß
      Alice

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      1. ich sehe tatsächlich nichts, was den aha-Effekt ausgemacht haben könnte. denn die geschilderte Entwicklung beinhaltet m.e. nichts, was sie nicht vermutlich schon vorher bemerkt und gedacht hat. oder war das wirklich das erste mal, dass er im Chat nicht auf sie reagiert hat? (was taktisch ausnehmend blöd wäre von dem burschen.)

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      2. Wie gesagt, tut mir leid, dass sie dir nicht gefällt

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      3. MIR tut es leid, ist ja deine geschichte.

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  2. Corly sagt:

    Huhu,

    owei, das ist ja negativ geprägt. Armes Mädel, aber so bringt eine Beziehung wohl wirklich nichts.

    LG Corly

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    1. Sie würde sich das lange nicht verzeihen. Damit ist für mich das Ende zumindest positiv, ist doch schon mal was😊
      Liebe Grüße
      Alice

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      1. Corly sagt:

        ja, stimmt. Da hast du wohl recht.

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  3. Ulli sagt:

    Das hat sie gut gemacht und ich glaube, dass das nicht Jede hinbekommen hätte.
    Liebe Grüße
    Ulli

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    1. Nein, die meisten lassen sich darauf ein, weil es ja sein „muss“
      Liebe Grüße
      Alice

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  4. Ich finde das Mädchen sehr mutig!

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, ich auch. Die meisten geben nach
      Lieben Gruß
      Alice

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  5. Christiane sagt:

    Wie Viola. Ich finde sie sehr mutig, dass sie eher ihrem schlechten Gefühl vertraut, als dem Wunsch dazugehören. Sie hätte sich mit dem Typen bestimmt keinen Gefallen getan …
    Liebe Grüße
    Christiane 😁👍❤️

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, das können nicht alle und viele haben ganz üble Erinnerungen an das erste Mal, deshalb auch die Warnung
      Lieben Gruß
      Alice

      Gefällt 2 Personen

  6. Katharina sagt:

    Das Ende gefällt mir wirklich gut. Ich will gar nicht wissen, wie viele Mädels nachgeben.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 3 Personen

    1. Die meisten fürchte ich.
      Lieben Gruß

      Gefällt 2 Personen

  7. Das Ende gefällt mir wirklich sehr gut. Egal, ob sie sich das alles nur einbildet oder nicht.
    Der Junge tut ihr nicht gut, verunsichert sie. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, wird sie sich gedacht haben. Und dann hat sie den Notknopf gedrückt.

    Liebe Grüße,
    Werner

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich danke dir. Nicht alle Mädels reagieren so vernünftig, aber gut, wenn es wenigstens eine tut.
      Liebe Grüße
      Alice

      Gefällt 2 Personen

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