Veröffentlicht in Begegnungen

365 Begegnungen – Tag 4 – Misanthrop

Zu viele Menschen, Begegnungen können anstrengend sein. Medikamente wollten aus der Innenstadt besorgt, ein Markensweatjäckchen für den Junior gekauft werden und das am Markttag. Skurrile Gestalten, deren Anblick ich zu vermeiden versuchte, strömten links und rechts an mir vorbei. Menschen kosten mich Energie, da gibt es keine Ausflüchte, keine Erklärungen oder sonstwas.

Ich kann sie ertragen in kleinen Dosen mit ausreichenden Ruhepausen dazwischen. Eine leere Wohnung mag ich manchmal sehr. Keine Chance, dass gleich jemand meinen Raum entert und etwas möchte. Kein Küsschen hier, kein „Wie geht es dir?“ da, einfach nur Ruhe. Schlafende Hunde, dösende Katzen und ich in der Mitte, menschlos.

Der Einkauf im bevorzugten lokalen Supermarkt setzte noch eins drauf. Ich bin gerade satt, menschensatt. „Lasst mich in Ruhe!“, möchte ich brüllen und „Geht draußen spielen!“.

Ich liebe sie über alles, meine Familie und es wäre mir der größte Horror, sollten sie nicht wiederkommen, aber wenn sie anderswo gerade glücklich und beschäftigt sind, ist auch gut. Dazu hat mein Mann eine Grippepest und ist seit über zwei Wochen zu Hause, füllt meine Schontage mit menschlicher Anwesenheit und ich merke, wie ich grantig werde, Küsschen übergriffige Gefühle auslösen (nebst Angst vor Ansteckung), ich das vorwurfsvolle Männergrippeschniefen nicht mehr hören mag und verzweifelt Ausschau halte nach Mauseloch oder Rettungshöhle (alternativ Wuthöhle, Hauptsache ich wäre dort allein).

Ich kann nicht davonlaufen und nur noch ein Tag trennt mich von zwei ausgesprochen anstrengenden Arbeitstagen für die ich morgen wieder an den Schreibtisch muss und ich gerade reichlich verzweifelt nicht weiß, wo ich die Energie herbekommen soll. Ich bin so kraftlos, hab keine Tankstelle, selbst der Blog und meine Zeichnungen geben mir keine Ruhe, da ich andauernd unterbrechen muss, wenn ein Gedanke sich Bahn bricht.

Ein ausgebautes Dachgeschoss soll mir langfristig einen Rückzugsort geben. Der Aufwand wäre gigantisch und die Umsetzung stünde am Ende einer Latte Dauerbaustellen, also kurz vor meinem Renteneintritt. Dann brauche ich ihn auch nicht mehr.

Ich mache gleich Abendessen und irgendeine Scheißmusik so laut, dass sich keiner in die Küche traut.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

10 Kommentare zu „365 Begegnungen – Tag 4 – Misanthrop

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