Veröffentlicht in Mal über mich

Gutenachtgedanken – Besagte Nesseln

Fettnäpfe sind meine Lieblingsschuhe, dachte ich schon vor langer Zeit und Nesseln ein bequemer Stuhl. Nehmt mich nicht mehr so sehr beim Wort, das mir heute, ob meiner Gedanken fehlen oder vielleicht auch falsch verstanden werden könnte.

Ich hörte gerade zwei Varianten von Meys „Sei wachsam“ und las so nebenher und nebenbei über eine Rede von Grönemeyer, die die Braun/Blauen anprangert und doch rhetorisch so sehr an sie erinnert.

Wer sich ein wenig mit Rhetorik auseinandersetzt, kommt an der dunklen Zeit nicht vorbei. Seien die Botschaften grausam und absolut inakzeptabel, so trägt doch die Art des Vortrags eine ungeheure Faszination. Die Kunst Menschen zu begeistern, kaum einer war so mitreißend und charismatisch wie diese Verbrecher. Nicht umsonst haben sie es geschafft, dass gute Menschen Böses tun. Und auch, wenn ich ihre Taten verachte und große Angst vor der neuen Welle habe, so fasziniert mich doch, wie sie das angestellt haben, losgelöst vom Inhalt.

Ein Thema zu finden, das die Menschen triggert, sie langsam und beharrlich mit der Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu ködern bis alle „Ja“ schreien ungeachtet der Katastrophen, die sie damit auslösen, dem Tod all ihrer Lieben und den eigenen unter Umständen, das ist ein Können, das – wenn auch nicht zur Bewunderung – doch zum Nachdenken anregt.

Ich mag nicht manipuliert werden, mag nicht ja brüllen, wenn ich nein meine und habe es doch schon bei mir erlebt, dass ich aufging in Massen, mitschwang zu Ideen, die zwar nicht böse, doch nicht meine waren und die ich nüchtern und mit Abstand wahrscheinlich etwas differenzierter betrachtet hätte. Der Jubel, der mitreißt, der Mittelmäßiges auf hohe Rösser setzt, den erlebte ich schon. Eine Kehrtwende meine persönlichen Einstellung hat das nie geschafft, doch Nuancen wurden verschoben, zumindest für einen Augenblick.

Es ist ein schwieriges Thema und gerade hake ich, möchte nicht missverstanden werden, wenn ich Rhetorik bewundere, zu sehr ist sie negativ konnotiert, zu schlimm waren die Auswirkungen. Und doch, möchte ich Menschen fesseln, muss ich reden können, schreiben, meine Gedanken so aufbereiten, dass ich andere erreiche, dass ich und meine Themen Bedeutung für sie haben. So, und jetzt sitze ich in den Nesseln, tief drin. Sie pieksen und stechen und ich bin hin und hergerissen zwischen Beitrag löschen und einfach dazu stehen, dass ich zu keinem vernünftigen Ende komme.

Vielleicht ist es ein gutes Schlusswort, wenn ich die starken Worte, die guten Argumente, die mitreißende Rhetorik denen wünsche, die den Rechtsruck verhindern wollen, die ein gutes, soziales Miteinander der Menschen fördern wollen, die hinschauen und helfen, die gegen Hass und Wut und für mehr Menschlichkeit und Mitgefühl sind. Und das denen, die das nicht wollen einfach mal das Wort in ihren dicken Hälsen steckenbleibt.

Alice

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Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

4 Kommentare zu „Gutenachtgedanken – Besagte Nesseln

  1. Jürgen Vogel spielte 2008 in einem beeindruckenden Film …[…]einen Lehrer, der seiner Schulklasse in einem von ihm konzipierten Sozialexperiment vorführt, wie autokratische faschistoide gesellschaftliche Strukturen entstehen.[…] Der Film hieß Die Welle und kann einem Furcht einflößen. 🙄

    Liebe Grüße,
    Werner

    Gefällt 1 Person

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