Tag 243/365 – Heimatfest und Zoobesuch

Nachts Hochschrecken, weil ich die Rückkehr von Sohn#4 vom Heimalfest verpasste (Mütter schlafen nicht ein, wenn ihre 16jährigen auf einem Besäufnisfest sind, aber wahrscheinlich hat er kaum was getrunken), über einen in den Weg springenden Wäschekorb stolpern und lang hinschlagen, maulen und nölen, gucken ob der Sohn im Bett ist (ist er) und dann um diese Uhrzeit Kaffee kochen (Ich fange morgen mit dem Verzicht an, nicht, wenn ich nachts nicht mehr pennen kann).

Gute Voraussetzungen für einen unverständlichen Text, stelle ich fest. Das Hirn ist noch schwammig und bewegt sich in der Vorhölle der Träume, die Knie schmerzen und der Tag wirft seine Schatten voraus.

Drei Tage Heimatfest, letztes Jahr haben wir uns schon gekniffen, dieses Jahr müssen wir wohl hin. Also eigentlich wollte ich hin, zumindest zum Flohmarkt. Die Hoffnung für einen schmalen Täler eine funktionierende Analoge abzustauben, ist recht groß. (Ich träume immer noch von einer originalverpackten Hasselblad oder Rolleiflex für nen Zehner). Stattdessen geht es in den Zoo, Nachbarstadt mit fünf von sechs Menschen. Hunde bleiben bei Mensch Nummer sechs, der irgendwann ausgeschlafen sein wird.

Zoobesuche sind immer gut, wobei der Unterschied zum Heimatfest marginal ist. Im Zoo riecht es zumindest besser und wenn es stinkt, steht da ein Schild, das mir erklärt, dass das so sein muss, weil das Stachelschwein nun mal ein kleines Stinkerchen ist und die Bärenexkremente üblicherweise duften. Ein Morgen nach einer Heimatfestnacht in der Stadt besteht aus kollektivem Kotzpfützenhopping und Fischbudengeruch. Touristen überschwemmen die schmalen Straßen auf denen Stolperschläuche ausgelegt wurde, damit Bierwagen mit Spülwasser und Strom versorgt werden können. Zombies der Vornacht schleppen sich orientierungslos durch blendweißes Tageslicht, sind zu müde zum Beißen. Dazwischen Omis mit Rollatoren und/oder Kinderwagen, die sie von den hart arbeitenden Kindern aufs Auge gedrückt bekamen.

Überall gibt es nichts zu sehen, auf dem Markt singt ein lokaler Schlagerstar Coverversionen der Erfolge, die er nie haben wird, Buden mit selbst gebastelten Tinnef schließen sich an Marktbeschicker an, die ihre in Indien von liebevollen Kinderhänden gefertigte Halstücher an den Mann bringen wollen.

Überall drückt der nahende Herbst durch die Ritzen, Winterjacken und Mützen hängen herum, dazwischen handgeschnitzte Holzlöffel.

Der alljährliche Selbstfahrer und die Raupe erinnern mich an die Kirmes meiner Jugend. Vor wenigen Jahren noch müsste ich den Jüngsten zwischen meine Beine klemmen, damit er nicht rausfliegt, heute kann ich froh sein, wenn er mich im Beisein seiner Freunde grüßt.

Fotografieren könnte spaßig sein, doch die Datenschutzverordnung nimmt die Lust. Irgendwann wird es nur noch Selfies geben. Andere zu knipsen klingt schon fast wie ein Schwerverbrechen. Manchmal beschleicht mich sogar beim Ablichten eines schönen Hauses die Panik, dass der Hausbesitzer gleich vor mir steht und mich harsch anpflaumt, mit welchem Recht ich denn hier sein Haus, seine Straße, seinen Block ablichte und womöglich ins Netz stelle. Denn da könnten ja private und höchstsensible Informationen weitergereicht werden. Wo kommen wir denn da hin? Sagt es, dreht sich um, fotografiert sein Töchterchen auf dem Töpfchen und lädt es stolz bei Instagram hoch #Tochter #Töpfchen #Kleinkind.

Nach dem Zoo werden wir wohl einmal durch die zugestopften Straßen flanieren, Gerüche vergleichen. Es wird zu dämmrig für Fotos sein und der Flohmarkt geschlossen. Die ersten Opfer der Bierwagen werden durch die Gegend stolpern, für ein Weilchen werden wir die Musikecke mit der besseren Musik aufsuchen, alte Bekannte treffen, sich fremdgeworden kurz drücken. Wie geht es? Naja, muss ne….

Ich glaube, ich gehe wieder schlafen und träume von einsamen Stränden.

Kann als Vorbereitung nicht schaden.

Alice

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nati sagt:

    Schön dass nicht nur ich es so empfinde, beim Fotografieren. 🙄

    Gefällt 2 Personen

    1. Es ist immer ein doofes gefühl, aber jedes Handy hat eine Kamera und ich will nicht wissen, auf wie vielen selfies ich mit drauf bin…

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      1. Nati sagt:

        Manchmal denke ich schon: Hoffentlich rastet nicht irgendwann jemand aus, nur weil man Fotos macht.
        Ich möchte auch nicht wissen wo ich zu sehen bin. Manche sind da ja echt schmerzfrei beim Knipsen.

        Gefällt 1 Person

      2. Den Unterschied macht da echt die richtige Kamera in deiner Hand. Da fühlen sich alle sofort beobachtet, auch wenn man nur eine Kirche knipst

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      3. Nati sagt:

        Ich finde beim Handy ist es nicht anders.

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