Es ist was faul

.. im Staate Dänemark. Frei zitiert und doch versteht ihr schon. Irgendwas läuft schrecklich verkehrt und alles schaut weg.

So wie mich gestern der Wunsch nach Gesundheit und Überleben in dem Spendenbüchlein der kleinen Vorortkirche geschockt hat, wie mich immer wieder erschreckt, dass Menschen einen Monat lang mit dem auskommen müssen, was wir für einen Wochenendeinkauf rauswerfen, wie ich nicht verstehe, warum Leerstand produziert wird und Menschen auf der Straße leben müssen oder in elenden Dreckslöchern.

Warum es so etwas wie die Tafel geben muss und Supermärkte intakte Lebensmittel wegschmeißen, die sich niemand nehmen darf. Wo Elend erzeugt wird und alle schauen weg.

Ich habe wenig politisches Verständnis, das gehört zu den Bildungslücken, gründet auf einer Verweigerungshaltung, die ich als Kind etablierte, als diese Affen, die sich im Dienste der Menschen sehen wollten, auf unserem Sofa saßen, schacherten und überlegten, wie sie nach außen gut dastehen und im Innen viel Geld machen können, am besten an der Steuer vorbei.

Der Teufel scheißt immer auf den größeren Haufen, so ist es und doch so vollkommen unmenschlich.

Wir kaufen uns Betäubungsmittel, die unseren Blick verschleiern, schielen nach Heidis Models oder der nächsten menschenwürdevernichtenden Spielshow. Friss Kakerlaken, los! Hier kannst du es freiwillig, wenn du es nicht tust, wirst du es bald müssen.

Kauf dieses Auto oder besser dieses, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Hauptsache, du kaufst. Nimm zwei oder drei, betoniere den Vorgarten für die Stellplätze, sieh zu, dass du die Karren regelmäßig bewegst. Der Briefkasten ist so weit weg und du hast so wenig Zeit, bist so wichtig unersetzbar, nimm den SUV, dann kannst du direkt ein wenig angeben und Begierden schaffen.

Die Obdachlosen sperre man doch bitte weg, nicht sehen, nicht hören, soll sich der Staat drum kümmern, sind doch eh selbst schuld, was arbeiten sie auch nicht.

Meinen Wert gebe ich am Jahresende dem Finanzamt an und bezahle den Steuerberater, damit viel für mich übrig bleibt. Schönes Leben, glatt, sauber, sicher. Willst du auch? Dann sieh weg, laufe über die Leiber der Gefallenen, sie nicht hin, stecke Finger in die Ohren, damit du die brechenden Knochen nicht hören musst.

Finde Schuldige, wenn es nicht so läuft. Selektiere, baue dir eine fangemeinde auf, bezahlte Claqueure tuns‘ zur Not auch, Hauptsache du bist fame. Die Falten macht Photoshop weg und der Beautyfilter. Was schön ist, bestimmen die anderen, wer aus der Reihe tanzt, fällt von der Bühne.

Nein, ich bin nicht politisch. Ich bin Menschenkind und ich möchte schreien.

Alice

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Du hast so Recht mit deiner Wut. Ich schließe mich an. Und hoffe, ich kann in meinem Leben, im Kleinen wie im Großen, andere Entscheidungen fällen und anders handeln. Mich immer wieder freischaufeln von einer Haltung, die auch mich immer wieder anstecken möchte.

    Gefällt 2 Personen

    1. Jeder erwischt sich dabei, manche Dinge sind auch den Umständen geschuldet und können nicht mal eben so geändert werden. Aber ein Bewusstsein für die Schieflage ist ein Anfang, dann fällt einem auch was ein…

      Gefällt 1 Person

  2. Ach Engelchen,

    wir sollten einen Chor aufmachen …
    denn langsam fangen die Steine an zu schreien
    und es gibt noch so viele Taube…
    Erstrecht, wenn man diese Post-Humanisten sieht, hört,
    welche, wie ehedem bei euch auf dem Sofa …

    Eigentlich will ich mich nicht damit abfinden, daß wir auch so aufgeklärte Gesellschaft, No.3 der „Lern-Arten“ des Konfuzius wählt(frei übersetzt):
    Lernen durch Leid und Schmerz

    Mal schauen, was noch so geht …
    mit Intelligenz und Erkenntnis und Liebe?

    Alles Liebe,
    Raffa.

    Gefällt 4 Personen

    1. Die meisten wollen es nicht hören, stopfen sich Stöpsel mit Heile-Welt-Lala rein. Ist ja auch viel bequemer so..
      Liebe Grüße
      Alice

      Gefällt 1 Person

  3. Wenn du schreist, dann bricht dein Kartenhaus zusammen. Das ist die Quintessenz.

    Gefällt 1 Person

    1. Meins hat schon so viele Risse. Ich bau lieber ein Neues, ist doch auch ein schönes Projekt.
      Liebe Grüße

      Gefällt mir

  4. Michi sagt:

    Du hast in allem so Recht und ich höre und verstehe dein Schreien sehr gut. Wir sind Menschenkinder, Earhtlings und wir sollten uns gemeinsam gegen diese ganzen Ungerechtigkeiten aufbäumen. Ich frage mich oft wieviel der Mensch noch ertragen will bevor er anfängt sich zu wehren.

    Gefällt 2 Personen

    1. Erst dann, wenn es mit dem, was es tut, nicht mehr das bekommt, was es braucht, wird es aufwachen. Der Mensch an sich ist träge und scheut Veränderung. Ist leider so.

      Gefällt mir

      1. Michi sagt:

        Ja das ist auch so.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s