Wofür?

Als ich gerade vom ritualisierten Gurkengießen wieder ins Haus stolperte, den bei Dauertrockenheit unvermeidlichen Rasensprenger einschaltete, einen wichtigen Anruf zwecks Austausch einer zugemockerten Rohrleitung erledigte (Freitag😊😊😊) und mir eine unnötige aber gewünschte Zigarette anzündete, fragte ich mich, wofür.

Wofür tue ich das alles? Warum mache ich diese Dinge und nichts anderes oder eben nichts? Warum lasse ich nicht liegen, drehe mich um, schaue weg, schiebe auf die lange Bank? Warum koche ich das Essen, auf das ich oft keinen Hunger habe, weil mein Magen zur Zeit rumspinnt, warum putze ich Klos, die ich nie benutze. Warum kaufe ich ein, mache die Wäsche, erledige Bürokram? Warum mache ich all diese Dinge, die zwar objektiv betrachtet notwendig, aber subjektiv mit so wenig Sinn gefüllt sind?

Wo steckt die Motivation für all diese Dinge, die mich abhalten von Anderen, die ich lieber tun würde?

Gehe ich ganz tief in mich, dann muss ich gestehen, die sind für andere. Nicht für mich. Meine Welt dürfte kleiner sein, leichter, viele Dinge würde ich nicht tun, nicht haben, nicht brauchen. Und doch bin ich sie bereitwillig eingegangen, diese Verträge, diese Vereinbarungen, diese Pflichten.

Und da wir jetzt schon an dieser Stelle sind, was bekomme ich dafür, dass ich das für dich tue? Dass du lange schlafen kannst, Gurken pflücken, auf ein sauberes Klo und zum gefüllten Kühlschrank gehen kannst. Dass du sagen kannst, wir haben Hunde und sie nur so lange interessant sind, wie sie keine Arbeit machen. Dass die Wäsche zusammengelegt und das Auto betankt ist.

Und wir steigen noch ein wenig weiter auf, dahin, wo die Luft ganz dünn wird. Du bedankst dich und hast mich lieb. Du freust dich, dass du es nicht selbst machen musst.

Ich tausche, ich werfe meine Arbeitskraft auf den Markt und bekomme Liebe. Klingt nach einem üblen Geschäft, wenn ihr mich fragt.

Bisher habe ich mich das nie gefragt, bisher habe ich mir nie geantwortet. Klopfe ich mein Leben ein wenig ab, hakelt es immer an Stellen, wo das wofür hieß, nur für andere, die für mich investierte Zeit nach hinten geschoben wurde.

Es ist höchste Zeit für einen Kassensturz.

Alice

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. wildgans sagt:

    Man/n würde sehr staunen, tätest du das alles plötzlich nicht mehr. Früher wurden solche Frauen häufig in eine Anstalt gebracht.
    Ja, liest du denn gar keine Frauenzeitschriften, in denen du Fotos findest, wie du noch hübscher beim Gurken wässern aussehen könntest, noch schmackhaftere Mittelmeersalate bereiten könntest…
    Mir sagte eine alte Therapeutin, meine ehrenhafteste Aufgabe im Ruhestand sei es, meinen noch berufstätigen Gatten zu umsorgen. Tatsächlich.
    Was könnte man da bloß tun?
    Ich wünsche dir passende Ideen!

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    1. Ich danke dir und werde mich sofort nach den passenden Frauenzeitschriften umsehen. Auf High Heels im Gurkenbeet 😂😂😂
      Ich muss mal gründlich nachdenken, ob das so mein Ziel sein könnte
      Liebe Grüße

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      1. Und alles mit Liebe im Herzen und einem Lächeln auf den Lippen!!

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  2. Ich glaube – die Frage ist nicht wie viel und was man macht, sondern ob der Andere genauso viel tut. Leistet er ähnliches für dich? Man muss es ja nicht auf die Waage legen. Aber eine gefühlte Symmetrie sollte schon da sein. Weil Beziehungen immer auch etwas mit Gleichgewicht zu tun haben. Ansonsten ist der Andere nicht immer der Böse, weil man Dinge für ihn tut und scheinbar nicht genügend Dankbarkeit bekommt. Denn meist hat man von selbst damit angefangen. Niemand hat es verlangt aber man war so verliebt, dass man am liebsten alles für den Anderen getan hat. Dann glaubt dieser irgendwann man ist eben so. Es schleicht sich Gewöhnung ein, dass er diese Dinge tut. Vielleicht glaubt man sogar der Andere will das eben so. Er kann gar nicht anders. Manchmal wirkt es sogar über-penibel aber man will da nichts sagen. Das sind alles Dinge die man missdeuten kann. Als „Putzfimmel“. Da hilft nur Kommunikation. Und ja, manchmal sollte man den Anderen wissen lassen, was man für ihn tut. Dieses Bewusstsein schadet nicht.

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  3. Michi sagt:

    Schick die mir mal vorbei, 4 Wochen „Terrorkrümel Kur“ von mir und du musst nie wieder kochen, putzen und Gurken Giessen… :))))

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  4. Weil es dir auffallen dürfte: Du hast mich selbst zu einem Blog inspiriert. Das für sich passiert nicht so oft. Er ist aber keine Antwort auf dich. Du hast nur meine Gedanken angeregt. Auch wenn ich sowieso nicht glaube, dass irgendetwas daran beleidigend sein könnte. Aber ich beuge gerne Missverständnisse vor.

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    1. Da geh ich doch mal gucken 🙂

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  5. Du schreibst 30 Tage lang auf, wofür Du dankbar bist. Startest Du jetzt parallel ein zweites Projekt, wofür Dir gedankt werden sollte?

    Sei mir nicht böse, aber so kommt das rüber.

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    1. Sie schreibt doch nur ihre Gedanken auf und was sie gerade bewegt.
      Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Nur weil man versuchen möchte dankbarer zu sein, das sollten wir alle ab und an, bedeutet das doch nicht dass man keine Probleme mehr hat. Vielleicht möchte man sogar dankbarer sein. WEIL nicht immer alles so rosig ist? Dass man dankbar sein möchte, bedeutet auch nicht dass man nicht mehr gut behandelt werden will. Ich sehe da keinen Widerspruch.

      Auch das ist nicht böse gemeint.

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      1. Bei dem sehr deutlich formulierten KASSENSTURZ heißt es ja im Grunde: jetzt wird abgerechnet. Das ist dann schon nicht mehr Gedankennotiz sondern sieht für mich eher nach Tabula Rasa aus.

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    2. Nö, da hast du mich ziemlich missverstanden

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    3. Sorry, dass ich mich vorhin so kurz fasste, ich war zwischen Tür und Angel, wie man so schön sagt. Du hast da eine umfassendere Antwort verdient.
      Ich sehe keinen Widerspruch, wenn mich auch oft widersprüchliche Gefühle begleiten. Beides ist Seelenhygiene. Das, was ich nicht ausreichend mache, ist für mich zu sorgen. Dazu gehört, dankbar zu sein für die schönen Momente. Für Glücksgriffe oder wenn mal jemand sieht,, wo es eng wird und unaufgefordert hilft. Für schöne Gespräche und tolle Sonnenuntergänge. Eben für das, was das Leben schön macht. Ich schau da zu wenig hin.
      Ein anderer Teil von mir, hat gelernt, die Bedürfnisse anderer in den Vordergrund zu stellen. Ich möchte kein Danke, ich möchte es lassen, zumindest auf diesem unausgeglichenen Niveau, deshalb auch Kassensturz. Beziehungen, egal zu wem, sind irgendwo Deals, man hilft sich, und wenn es funktionieren soll, muss das ausgeglichen sein. Gibt nur der eine und der andere nimmt, mag man den Nehmenden irgendwann nicht mehr so gerne, es macht sich ein Gefühl von Ausgenutztwerden breit. Das ist für die Beziehung (und da beziehe ich ausdrücklich auch freundschaftliche mit ein) langfristig schädlich.
      Ein Danke ist zwar nett, aber wenn eine Seite macht und die andere sagt immer freundlich Danke gerät es in Schieflage.
      Ich möchte nicht mehr, sondern weniger Danke an mich. Oder auch mal häufiger Danke sagen können. Im Prinzip ist es also kein Widerspruch, sondern etwas, was mir bei meinen Dankebeiträgen auffiel.
      Liebe Grüße und ich bin dir nicht böse 🙂
      Alice

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      1. So erklärt verstehe ich das. Aber für mich verbindet sich KASSENSTURZ und „warum soll ich denen weiterhin das Klo putzen“ immer mit totaler Bestandsaufnahme und Abrechnung und einer evtl. schon vorgefassten Entscheidung: so geht es nicht weiter. Jetzt muss alles auf den Prüfstand und ein neues Konzept her.
        Aber ein Schnitt war ja dann bei Dir kein Hintergrundgedanke, sondern eher doch „einfach mal nur eine Zusammenfassung“.

        Ich gebe auch erinnerung&sehnsucht Recht, dass Routine eine Illusion von Sicherheit fördert, die man immer überdenken sollte, um in der Balance zu bleiben.

        LG Werner

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  6. Ich war etwa 40, als ich mir derlei Sinnfrage stellte. Da hatte ich Weiberfastnacht Hofaufsicht und bewachte eine leere Schule. Es gibt immer Gründe, wenn solche Sinnfragen auftauchen. Ab und zu ist es nötig, innezuhalten und sich das eigene Leben vor Augen zu führen. Es verlangt nicht unbedingt Konsequenzen, aber vielleicht zeigt sich, was gut und gerne anders sein könnte.
    Viele Grüße!

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    1. Die Konsequenzen müssen ja nicht immer gewaltig und umstürzend sein, manchmal sind es kleine, feine Verschiebungen, die alles ins rechte Licht rücken.
      Eine leere Schule bewachen, was für eine lustige Idee.
      Liebe Grüße
      Alice

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  7. Was ich bei solchen Überlegungen leider gerne vergesse ist, das was andere tun sehe ich meistens nicht.

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    1. Das gehört auch dazu, ist aber schwerer.
      Liebe Grüße

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