Tag 207/365 – Zickenalarm

Es mag am aufkeimenden Lagerkoller liegen oder an der unruhigen Nacht. Bei mir ist heute Zickenalarm.

Es mag auch damit zusammenhängen, dass Begreifen durchsickert, ich handeln muss, aber noch nicht weiß, wie und auf welche Art. Die Unfähigkeit wurmt mich, macht mich katzig, lässt die Krallen ausfahren und spitzt meine Zunge an. Kontraproduktiv ist das, es verschärft die Situation anstatt sie zu entspannen.

Was ich nur wieder angeleiert habe, kommt mir in den Sinn. Zum ersten Mal in mittlerweile 51 Jahren muss ich mein Verhalten, mein Selbstbild, meine Bedürfnisse vollkommen überdenken und fühle mich damit überfordert.

Eine ToDo-Liste habe ich im Kopf, schrecke schon vor dem ersten Punkt zurück, will den zweiten nicht lesen und die folgenden schon gar nicht.

Was mache ich bloß? Augen zu und durch? Kann ich das durchhalten, so fremd wie es ist? Neue Gewohnheiten dauern sechs Wochen, wenn man sie konsequent durchzieht. Sechs Wochen können verflixt lang sein, wenn man dauerhaft anders handelt als die ganzen langen Jahre bisher. Gelernt ist gelernt, so sagt man. Dass ich mit dem bisherigen Verhalten schon oft genug auf der Kinnlade gelandet bin, steht auf einem anderen Blatt. Meine Nehmerqualitäten in dieser Sache sind einzigartig, da stecke ich Henry Maske und Mike Tyson locker in die Tasche.

Lasst mich in Ruhe, möchte ich brüllen, mich in einem möglichst kühlen, dunklen Raum verkriechen und die doofe Liste vergessen. Geht aber nicht. Irgendwann muss ich raus und dann liegt das dämliche Stück Papier immer noch auf dem Tisch, anklagend und doch soll es eine Hilfe sein.

Was bleibt mir, wenn ich das durchziehe? Wird es erst schlimmer, bevor es besser wird? Wird es überhaupt besser? Kann ich, will ich so sein? Ich denke schon, aber ich bin mir gerade nicht sicher, welchen Preis ich dafür bezahle.

Am Ende würde ein normaleres Leben stehen, der Riss in mir vielleicht gekittet werden oder noch weiter aufreißen.

Zieht besser den Kopf ein, heute ist Zickenalarm.

Alice

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich halte das mit dem „So sein“ nicht für richtig.
    Du bist nicht „so“, nicht nur.
    Es ist eine Stimmung, etwas Vorübergehendes.
    Verwechsle deine Stimmung nicht mit deiner Identität.
    Gerade brauchst du das um etwas zu begradigen.
    Ich behaupte nicht das wäre toll.
    Da will ich nichts schönreden.
    Aber etwas zu unterdrücken wäre viel schlimmer (Behauptung),
    als sich einfach mal die Zickigkeit zu erlauben.
    Das fällt unter Selbstrespekt.

    Könnte ich mich auch mal dran halten…

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    1. Mal zickig sein zu dürfen ist kein Frauenvorrecht 🙂

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  2. Der wichtigste wäre eigentlich herauszufinden, was sich gegebenenfalls ändern muss, wohin man sich entwickeln möchte und wie man das erreichen kann.

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    1. Ja, ziemlich genau das steht auf der ToDo Liste 😊👍

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