Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Von enttäuschten Gesichtern erzogen

Was für ein Buchtitel für einen psychologischen Ratgeber. Ich würde ihn gerade gerne lesen, sofern es einen zweiten Teil gäbe, wo eine Anleitung zur Überwindung des Debakels aufgelistet wäre.

Durchschaut habe ich es inzwischen, verstanden, weil es eigentlich ganz einfach ist. Man nehme jemanden, der hungrig nach Anerkennung ist und verziehe in seiner Gegenwart häufiger leidend das Gesicht, nöle ein wenig herum und schon erreicht man das Gewünschte ohne sich selbst darum kümmern zu müssen. Der Hungernde wird sofort alles tun, damit der andere glücklich ist und ihn vielleicht sogar lobt.

Wenn ich so rückwärts durch mein Leben denke, bricht mir der Schweiß aus. Wie oft bin ich manipuliert worden, benutzt, in verschiedenste Richtungen, die nicht meine waren, geschoben und gedrängt worden. Ich habe es ihnen leicht gemacht, viel zu leicht und wenn es nicht mein Leben wäre, würde ich es vielleicht sogar lustig finden, wie da auf der Klaviatur eines Menschen gespielt wird.

Vorauseilender Gehorsam, Verzicht, schrumpfen auf Schlumpfgröße, Fallschirmspringen unterm Teppich. Eigener Geschmack, eigene Bedürfnisse, nur wenn niemand in der Nähe ist. Ich mache jetzt sauber, das Haus und meinen Geist. Und die Musik, die nur ich mag, die mache ich laut.

Alice

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Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

12 Kommentare zu „Von enttäuschten Gesichtern erzogen

      1. Leider wohl……jedenfalls ein klasse Beitrag und ich lese mich gerade quer durch Deinen klasse Blog! Übrigens erkenne ich mich in Deiner beschriebenen Zwiespältigkeit wieder.😁 liebe Grüße, Barbara

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  1. „Eine Anleitung zur Überwindung des Debakels“ wäre aus meiner Sicht, es gut sein zu lassen. Wie ich beobachte, bist du eine kluge, kreative, vielseitig begabte und ungemein produktive Frau, so dass eben auch einiges gut gewesen sein muss. Das andere ist ja nicht mehr ändern, weshalb es nur noch wenig Aufmerksamkeit verdient. Warum sich davon nicht befreien? Das Hadern damit aktualisiert es immer wieder, holt es in deine Gegenwart zurück. Als es mir mal schlecht ging, habe ich mir das Üble als tropfnasse Wäsche vorgestellt, die ich auf eine Wäscheleine geklatscht habe, wo sie ohne mein Zutun austrocknen durfte.
    Viele Grüße!

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Jules, ich kann verstehen, dass man sowas nicht lesen will. Ich empfinde das auch manchmal so, das ist mir ab und an zu nackt, zu entblößt, zu privat.
      Das auf die Leine hängen funktioniert bei mir gerade nicht so richtig. Ich denke schreibend und verarbeite auch so. Menschen sind unterschiedlich, vielleicht ist das einfach mein weiblicher Anteil, der es herausreden muss. Und es hilft. Vieles habe ich fast ein halbes Jahrhundert im Keller gehalten und mich gewundert, dass ich scheitere und das, obwohl ich ohne Frage kreativ und begabt bin. Innerliche Handbremsen angezogen,, nicht an mich geglaubt, mich nicht gemocht, den Verstand über das Gefühl gestellt. Ohne Gefühl geht das Schreiben nicht, es reißt alte Wunden auf und dann muss Luft dran. Du musst es nicht mögen, wie gesagt, ich kann sowas auch nur dosiert ertragen. Es kommen wieder andere Tage, das weiß ich.
      Bis dahin ganz liebe Grüße
      Alice

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  2. Es geht nicht darum, ob ich etwas lesen mag oder nicht. Vielmehr nehme ich Anteil daran und stelle mir die Frage, die du eingangs des Textes aufgerworfen hast. Wie aus den gedanklichen Kreisen herauskommen? Du bist hier nicht konfrontiert mit enttäuschten Gesichtern, sondern erlebst mit Recht Zuwendung und Anerkennung. Das wollte ich nur ins Licht rücken, denn es verdient auch Beachtung.
    Lieben Gruß,
    Jules

    Gefällt 1 Person

    1. Ich danke dir.
      Es hat lange, viel zu lange gedauert, bis ich die Mechanismen verstanden habe. Ich will sie nicht festhalten, auch wenn das möglicherweise durchklingt. Ein Buch – wie sollte es sonst sein – hat mich wach gerüttelt. Es muss raus auf allen mir zur Verfügung stehenden Wegen. und der Zuspruch, das Verständnis, die Anerkennung dessen, was ich hier verzapfe, tut mir gut, ist eine vollkommen neue Erfahrung. Da heilt was und manches wird mir klar, auch wenn es unschön ist.
      Ganz liebe Grüße
      Alice

      Gefällt 1 Person

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