Veröffentlicht in Fotografie, Schreiben

Gutenachtgedanken – Die Fluse

In meiner alten Porst ist eine Fluse. Irgendwo, wo ich sie nicht finden kann. Sie verziert jedes Bild am Rand gestochen scharf mit einer klitzekleinen Schlaufe. Ich habe das Objektiv kontrolliert, nix. Abgesehen davon tritt sie objektivübergreifend auf. Der Spiegel ist zwar ein wenig staubig (ähem), sonst ist da auch nichts zu finden.

Die dämliche Fluse sitzt da wie eine Fliege, die man nicht los wird. Ich mag die Kamera, auch wenn sie nicht die beste ist. Sie liegt einfach gut in der Hand und ich habe mich intensiv mit ihr angefreundet. Außerdem hat sie so ein tolles kleines Makroweitwinkelobjektiv, was sie leicht macht und für meine Zwecke (entweder nah ran oder ganz weit weg, mit der Mitte komme ich nicht so klar) perfekt.

Nur die Fluse stört. Sie ist das große „Aber“ im System. Manche würden jetzt vielleicht die Kamera auseinanderbauen, den Makel systematisch austreiben.

Ich habe darüber nachgedacht, traue es mir aber zum Einen nicht wirklich zu (ich erinnere mich noch mit einem schlechten Gefühl an meine Weckerreparaturversuche als Kind, wo außer einer Menge Zahnräder nichts übrig blieb) auch, wenn ich es eigentlich können müsste. Zum Anderen überlege ich gerade, ob mich der Makel, die Fluse wirklich so sehr stört.

Nichts ist perfekt. Digitale Fotografie ist der analogen in vielem überlegen. Doch ich mag den Charme, ich mag das leicht körnige und dass es in meiner Hand liegt, ob die Bilder was werden oder nicht.

So viele Unwägbarkeiten, so viele Chancen zu scheitern. Da stört so ein kleiner Fussel ganz bestimmt nicht.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

9 Kommentare zu „Gutenachtgedanken – Die Fluse

  1. Ich kann die Fluse gar nicht sehen…

    Wenn sie „objektivübergreifend da ist und außerdem gestochen scharf auf den Bildern zu sehen ist, dann liegt sie bestimmt direkt vor dem Film. Mach mal das Filmtransportsystem sauber und dieses kleine Fensterchen, an dem der Film vorbei läuft. Auseinanderbauen musst Du dazu nichts.

    Bestimmt hilft das…

    Liebe Grüße
    Richard

    Gefällt 1 Person

  2. Von Fotographie habe ich keine Ahnung.
    Ich will gar nicht erst so tun als ob.
    Aber das Analog-Digital Thema kennen wir ja alle vom Film.
    Wie viele Andere bevorzuge ich analogen Film.
    Weil es mehr Kunstfertigkeit braucht damit zu hantieren.
    Das klingt erstmal nach Gewäsch. Ist aber keines.
    Limitation tut der Kunst gut.
    Weil man etwas bewusst herausarbeiten muss,
    statt einfach sofort ein sauberes Abbild zu bekommen.
    Die Aufnahmen mit analogem Film haben oft wunderschöne Kontraste.
    Weil der Regisseur mit Licht und Schatten spielen musste,
    bis er mit den Aufnahmen zufrieden war.
    Das bringt oft wunderschöne Bilder hervor.
    Weil es ein ständiges Experimentieren ist.
    Der analoge Film vereinfacht vieles.
    Er ist auch sicher benutzerfreundlicher.
    Aber analoger Film ist ein artistisches Medium zum herumprobieren.
    Es ist wirkliche Lichtmalerei sowieso es der Name andeutet.
    Ich habe ja wie gesagt keine Ahnung davon, also handwerklich.
    Kann aber wohl den Unterschied erkennen.

    Gefällt 1 Person

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