F wie Fahrradfahren

FFF ist in aller Munde, ein Mädchen wird durch die Weltgeschichte gekarrt, prangert an, bekommt Preise, manche regen sich auf, andere finden es toll. Schulschwänzen wird bejammert oder gelobt, je nach Blickwinkel. Die Funktion eines – ich nenne es mal – Idols kann gerade der jüngeren Generation helfen, etwas bewusster mit dem anstehenden Klimawandel umzugehen.

Wenn allerdings die Kids mit fetten SUVs zu den Demonstrationen gefahren werden, dauernd ihre neusten Handys mit High-End Funktionen am Start haben, dabei importiertes Obst aus Plastiktüten futtern und Klamotten tragen, die nun mal in China oder sonstwo deutlich billiger hergestellt werden, dann macht das alles wenig Sinn für mich.

Gestern habe ich mich lange mit meinem Mann über die 70er unterhalten, ein wenig erzählt und verglichen, weil ich für eine Geschichte den passenden Rahmen suchte. Wir kamen auf den Alltag zu sprechen und wie das damals so war mit den täglichen Besorgungen, dem Alltag, den Autos und dem Energieverbrauch.

Bei uns in der Straße hatte jede Familie ein Auto und fast jeder Erwachsene den Führerschein (außer meine Mutter und ein paar ältere Damen). Die meisten Männer fuhren mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, viele Firmen, die weiter weg waren, hatten tatsächlich Werksbusverkehr. Dennoch wurde nicht für jeden Weg das Auto aus der Garage geholt. Man fuhr nur dann, wenn es nötig war. Die meisten Besorgungen haben wir zu Fuß oder mit dem Rad erledigt.

Wir waren nicht arm, dennoch wurde nur das angeschafft, was wir brauchten. Qualität ging vor Quantität. Dass man im Winter keine Tomaten kaufte, war normal, es war keine Saison und die importierten schmeckten sowieso nicht. Ich bin fast nie mit dem Auto zur Schule gebracht worden, ich hatte ein Fahrrad. Und das bei fast 4 km Schulweg.

Meine Mutter hatte Einkaufstaschen, auf dem Markt gab es das Gemüse in Papiertüten oder es wurde sofort in Stoffbeutel verpackt. Elektrogeräte wurden repariert, neue Geräte waren zu teuer.

Ich weiß nicht sicher, was passiert ist, wann wir zu bequem wurden, wann es uns egal wurde.

Schaue ich heute auf den Energieverbrauch unseres Häuschens, hätte ich damit damals die ganze Straße versorgen können.

Umdenken ist notwendig, aber es wird unbequem werden. Und es wird sicher nicht mit Schulschwänzen zu schaffen sein. Verzicht auf Unterricht mag reizvoll sein, Verzicht auf Mamataxi, ständig neue Handys und Klamotten, Sommerfrüchte im Winter bringt aber mehr.

F wie Fahrradfahren wäre ein Anfang.

Alice

24 Kommentare Gib deinen ab

  1. castorpblog sagt:

    Liebe Alice, das sehe ich im Grunde auch so. Die Kids können aber nichts dafür, sie leben das nach, was sie vorgelebt bekommen. Die Rebellion gegen das Sein, wie es ist, erfasst schon immer manche Jugendliche. Sie können aber nur aus ihren umständen heraus rebellieren. Das passiert zum Glück gerade mal wie der bei der Jugend. Auch wenn sie an Weihnachten mit ihren tollen kaputten Eltern auf die Malediven fliegen, sie sind geimpft und werden das immer stärker überdenken und vielleicht, ja vielleicht wird sich etwas ändern.

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    1. Ich mache den Kindern auch keinen Vorwurf, sie wissen es nicht besser. Die Erwachsenen, die es besser wissen müssten, müssen handeln und vorleben.
      Lieben Gruß

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    1. Sehr wahr und eine ganz andere Sicht auf die FFF Demonstrationen
      Lieben Gruß

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  2. Linsenfutter sagt:

    Die „gute alte Zeit“ wird von vielen Menschen belächelt. Manchmal vermisse ich sie schon. Es hat sich so viel geändert und verändert. Handy und Internet zum Beispiel. Schöne bequeme Welt. Ich bin mir nicht sicher, ob das alles zu unserem Wohle ist. Aber es geht wohl nicht mehr ohne.

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    1. Was wäre denn, wenn es ohne gehen müsste? Wir würden das schon verkraften, oder? Aber vielleicht ist hier nur weniger und bewusster mehr, der komplette Verzicht muss ja nicht sein.
      Lieben Gruß
      Alice

      Gefällt 3 Personen

      1. Linsenfutter sagt:

        Wer gelernt hat wie es ohne geht, kann durchaus mit weniger auskommen. Die jüngere Generation hätte größere Probleme.
        LG Jürgen

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      2. Aber die kann und muss es auch lernen, wäre doch mal ein Freitagsschulfach

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  3. mijonisreise sagt:

    Ich denke, ein bewußter Umgang mit den Dingen als Vorbild für die Kinder ist noch immer das Schlüsselwort.
    Viele der Dinge, die du aufgezählt hast, kenne ich auch noch und lebe auch noch damit. Ich habe immer eigene Taschen, bzw. den Korb mit zum einkaufen.

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    1. Ich auch und lieber ein Kampfeinkauf als fünf mal mit dem Auto los 😊

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      1. mijonisreise sagt:

        Und ich versuche Termine so abzustimmen, das ich viele Sachen zusammen erledigen kann. Zumindest jetzt, wo ich zu Hause bin.

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      2. mijonisreise sagt:

        Könnte man ja mal so sammeln 🤔 … Ideen, Tricks, die nicht schon alle bekannt sind … 😉

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      3. Ja, ein guter Plan, lass uns da mal machen 👍

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  4. Feine Feder
    und ja Fahrradfahren,

    Danke dafür,
    auf das die Verführung zu geistiger und körperlicher Bequemlichkeit nicht noch weiter Überhand nimmt.

    Raffa.

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  5. Ich kann bin ebenfalls noch gut an die 70ziger Jahre erinnern. Wirklich in jedem Haushalt 1 Auto was nun damals eben dem Vater in erster Linie zugeordnet wurde. Heute eine 4-köpfige Familie mit erwachsenen Kinder in der Regel 4 Autos und wenn dann von den Kinder noch die Freunde oder Freundinnen erscheinen steht 6 Autos vor der Haustüre !!!!
    Man wundert sich immer wieder egal ob werktags, Wochenende oder jetzt eh in der anfangenden Urlaubssaison , die Autobahnen sind egal wann brechend voll und Mega Staus trotz hoher Spritpreise ect. Manchmal frage ich mich wie geht das ! Kinder fahren Autos die weit über ihr Einkommen hinausgehen egal ist eh geleast !!!
    Flughäfen jetzt ebenfalls überfüllt und die Reisen gehen wenn schon dann weltweit !!!!
    Hightec nur vom allerfeinsten ebenfalls kein Problem !!!
    Ich frage mich schon lange wie der weitergeht und wie das vor allem mal endet !!!!
    PS: bin übrigens früher auch mit dem Fahrrad zur Schule und meine Strecken in der Freizeit zurückgelegt. Am Wochenende wenn es mal weiter weg ging kann ich mich noch ans „trampen“ erinnern.

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    1. Umdenken würde mehr bringen als streiken

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      1. Sorry, ich war mit meinen Gedanken schon zwei Schritte weiter. Könnte man die Energie, die die Jugendlichen in die Streiks investieren aufs Umdenken lenken, würde vielleicht wirklich was passieren. Liebe Grüße
        Alice

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      2. passt und verstanden

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  6. Ruhrköpfe sagt:

    Wir Erwachsene sind die, die es ihnen vorleben könn(t)en. Die Kids tun nur das, was wir als Erziehungsberechtige und Erwachsene ihnen vorleben und ermöglichen

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    1. Ich weiß, genau das müssen wir tun

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  7. Mindsplint sagt:

    …dem ist nichts hinzuzufügen! 🙂

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