Veröffentlicht in Kurzgeschichten

Gutenachtgedanken – Waschtag

Wassertropfen

Der Regen wäscht alle Träume weg. Aufgeweicht, ausgebleicht liegen die beiden im hohen Gras. Das blasse Haar liegt nass auf weißgewaschener Haut, die Augen haben alle Farbe verloren. Doch das Wasser hört nicht auf.

Zu Beginn freute sie sich, sonnenverbrannt, als der Regen Abkühlung brachte. Schneller, fröhlicher liefen sie durch das Unterholz, schlugen dynamischer die jungen Mangrovenwurzeln mit der Machete durch, machten Wettrennen auf den glitschigen schmalen Wegen, wälzten sich sogar im Schlamm.

Der Regen wusch alles ab. Ihr Zelt, das sie in einer Wasserwand aufstellten, nur wenig geschützt vom dicken Laubdach, blieb komplett feucht. Nachts erwachte sie zitternd in der schwülen Wärme, suchte sich trockenzureiben an seinem klebrigen Körper und fiel erneut in einen unruhigen Schlaf.

Am zweiten Tag wurden sie stiller, achteten mehr auf ihre Schritte und die Schlangen, die die Nässe hervorlockte. Sie balancierten über Ströme, die gestern noch Bäche waren, träumten bereits von Kaminfeuer und heißem Kakao. Ihre Bräune wurde bereits blass.

Die Zeltplanen klebten wie verleimt als sie ihr Nachtlager aufschlugen. Das Feuer ließ sich nicht entzünden, sie aßen ihre Dosensuppe kalt. In dieser Nacht träumte sie von nassen weißen Laken, die gegen ihr Gesicht schlugen, riss die Hände hoch und schlug um sich. Mühsam konnte er sie wecken und beruhigen. Sie lagen wach, bis es hell wurde.

Am dritten Tag war ihre Bräune verschwunden, ihre Haare verloren die Farbe, klebten blassblond an gebleichten Stirnen. Die Schlangen begleiteten sie, fiel ihr auf. Doch durch den Regenvorhang konnte er nichts erkennen.

Das Zelt ließen sie eingepackt in dieser Nacht, das helle Laubdach sollte ihr Regenschutz sein. Sie wollte nichts essen, war vom Trinken satt, erklärte sie und rollte sich im nassen Moos zusammen. Er schlief nicht, spürte jeden Tropfen wie einen Messerschnitt auf gequollener Haut.

Am vierten Tag waren Haare und Augen weiß gewaschen. Kaum konnten sie den Weg vor sich erkennen. Es war wie unter Wasser laufen. Als die Schlangen bissen, legten sie sich in das Gras und warteten.

Der Regen wäscht alle Träume weg. Aufgeweicht, ausgebleicht liegen die beiden im hohen Gras. Das blasse Haar liegt nass auf weißgewaschener Haut, die Augen haben alle Farbe verloren. Doch das Wasser hört nicht auf.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

2 Kommentare zu „Gutenachtgedanken – Waschtag

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