Werbepause

Ein Zwischenspiel

Überall werden wir mit Werbung zugeballert. Der im Fernsehen weiche ich ich aus, im Netz, auf Plakaten, in Zeitschriften bin ich ihr hilflos ausgeliefert. Früher sah ich mehr davon, war aufs Fernsehen angewiesen, konnte viele Jingles im Schlaf mitsingen.

Manchmal höre ich dann ein Lied im Radio und habe sofort den passenden Clip im Kopf. Ob zum Radetzkymarsch der Mais marschiert, der Magenbitter dem River-Kwai-Marsch folgend uns Wohlbefinden schenkt, Mandy einen Kaffee kocht, das norddeutsche Bier davonsegelt oder eben sich junge Damen mittels eines Rasieres in Liebesgöttinnen verwandeln.

So geschehen beim Abendessen. Im Radio lief „Venus“ von Bananarama. Und so sehr ich das Lied in den 80ern schätzte, es wurde brutal durch einen Damenrasierer zerstört.

Und mir kam der Gedanke, dass dieses Lied auch andere Bilder hätte auslösen können, als die von jungen glattrasierten Damen.Nicht nur sie tragen Webpelz an den Waden, die Werbung hätte uns auch dahingehend beeinflussen können, dass die Herren der Schöpfung sich von ihrer stoppeligen Pracht trennen wollen.

Stellt Euch einmal vor, ein Kerl, groß, breit und voll behaart, Matte, Bart, Wadenpelz, dass man keine Haut mehr sieht, Metal-T-Shirt, Killernietenarmband steht zu einer Metalversion von „Venus“ im Badezimmer und rasiert sich die Beine, natürlich mit Bierschaum – stilecht.

Wieviel amüsanter wäre es, das Lied im Radio zu hören.

Oder Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer wäre kein durchschnittlicher Durchschnittsversicherungsvertreter sondern ein Bohemien, ein bunt schillernder Papagei, der kusshändchenwerfend durch eine mitteldeutsche Vorstadt flaniert. Ich hätte einen Vertrag bei ihm abgeschlossen. Tilly hätte unsere Hände mit beruhigenden Worten in Salzsäure getaucht und Clementine im Batikkleidchen graubunte Socken aus der Waschmaschine gezogen.

Kaffee hätten wir zu Slayer gekauft, da wären wir alle auch wirklich wach gewesen und der Kaffeeonkel hätte zum Tässchen Aufgebrühten einen Joint am Start gehabt. Oder mit geübtem Griff den Kaffee wegschüttend, das Pulver gesnieft.

Was hätte ich verkaufen können mit diesen Werbestrategien. Leider habe ich einen anderen Job gewählt.

Doch jetzt ist die Werbepause fast zuende, jetzt kommen die Mainzelmännchen. Und was die anstellen, dazu schweige ich lieber….

Alice

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