Angsthase, Pfeffernase…

Ein Vorwort

Ich war von jeher ein Angsthase. Ich fürchtete mich im Dunklen, im Keller und auf dem Dachboden. Ich hatte Angst vor Monstern unter meinem Bett, im Kleiderschrank, unter der Kellertreppe. Lange konnte ich nur bei Licht schlafen und brauchte ewig, um zur Ruhe zu kommen.

Aber was macht uns solche Angst vor der Dunkelheit? Warum fürchten wir das, was wir nicht sehen können? Warum gruselt es uns, wenn das Licht ausgeht, wenn wir doch wissen, dass es nur ein Stromausfall ist und logisch erklär- und nachvollziehbar. Warum fürchten wir die eiskalte Hand, die uns die Bettdecke raubt, den warmen Atem, der uns auf dem düsteren Dachboden ins Gesicht weht, die krallenbewehrten Hände, die nach unseren Augen greifen, wenn wir doch genau wissen, dass da nichts ist, gar nichts!

Aber wissen wir das wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass die Nachtmahre sich schnell wie Kakerlaken in die dunklen Winkel zurückziehen, wenn wir den Lichtschalter betätigen? Dass sie sich immer sauber außerhalb des Lichtkegels der Taschenlampe halten, die uns beim Stromausfall (war das wirklich einer?) den Weg leuchten soll? Dass der Clown aufhört, uns böse anzustarren, wenn jemand den Raum betritt. Dass wir das Buch, das wir so lange suchten, selbst an seinen neuen Platz legten? Wissen wir das?

Ich weiß das nicht. Nicht sicher. Und ich habe zu viel gesehen und erlebt, um es einfach kategorisch auszuschließen, das Licht zu löschen und mich sicher zu fühlen.

Schließt einmal die Augen, nur für einen Moment. Stellt Euch vor, ihr würdet in einem leeren Raum sein, einem großen Raum. Ihr würdet einen Fuß vor den anderen setzen und eure Schritte zählen. Und nach endlosen Schritten würden eure panisch ausgestreckten Hände die raue Wand berühren, die ein wenig kühl und schleimig wäre.

Und weil ihr vernunftbegabte Menschen seid, würdet ihr entlang der Wand weiter gehen in absoluter Dunkelheit. Die eine, die rechte, Hand würde entlang der Wand streichen , während ihr euch langsam vorantasten würdet. Die Fingerkuppen eurer belasteten Hand würden anfangen zu schmerzen durch den rauen Putz und irgendeine Flüssigkeit, die darauf zu kleben scheint und sich langsam durch eure Epidermis frisst.

Irgendwann hättet ihr dann die Ecke erreicht, die erste in diesem fast grenzenlosen Raum.

Ist Euch was aufgefallen? Ihr seid an keiner Tür vorbei gekommen! Wie ärgerlich. Und der Raum ist so riesig. Das kann ewig dauern, bis ihr sie findet.

Also gut. Ihr dürft die Augen wieder öffnen – und ihr seht nichts. Ich habe nämlich den Lichtschalter betätigt, der neben der einzigen Tür dieses Raumes ist. Aber entspannt euch, Dunkelheit ist nicht gefährlich, wisst ihr ja, haben euch eure Eltern gesagt. Die haben ja auch sonst nie gelogen, haben niemals den Weihnachtsmann oder den Osterhasen erwähnt, waren immer zu hundert Prozent EHRLICH!

Ups! Seid mal still! Nicht weiterlaufen! Wie? Ihr steht bereits? Haltet euch zitternd an der klebrigen Wand fest? Was ist das denn dann für ein Geräusch? Ich höre Schritte, langsam, schlurfend. Ich glaube, wir sind nicht allein….

Ich muss jetzt gehen, weiß ja, wo die Tür ist. Warten? Nein, das geht nicht. Sonst kommt das, was da auf euch zu schleicht möglicherweise mit durch die Tür.

Denkt immer daran, Dunkelheit ist wie hell nur ohne Lampe, dann wird es sicher wieder verschwinden.

Macht’s gut.

Alice

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Angst haben wir doch vielfach vermittelt bekommen, zumindest in meiner Jugend.
    Wurde ja ausgiebig behandelt/vermittelt in den Märchen und im Struwwelpeter. Und wer kennt nicht den Butzemann?

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, Angst war ein Erziehungsmiitel, liebe Grüße

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