Tag 29/365 – Magengrube

Immer auf die Kleinen

Da wo dem Siegfried das Lindenblatt klebte, wo dem Achilles die Ferse schmerzte, wo Lohengrin mit seinem Namen haderte, da lagen ihre wunden Punkte, ihre Schwachstellen. Dort waren sie dünnhäutig, empfindlich, nicht belastbar.

Jeder hat sowas. Ein Körperteil oder Organ macht immer als erstes schlapp. Kopfschmerzen bei Stress, der Rücken bei physischer oder psychischer Überlastung, die Reizblase – oder eben wie bei mir – der Magen.

Es geht was um, Kollegen fallen reihenweise dem Virus zum Opfer, so dass die Magenschmerzen, die mich gerade durchbohren, wohl diesem klitzekleinen Übeltäter zuzuschreiben sind.

Es wird vergehen, so wie all die blöden Infekte, die man sich im Umgang mit Menschen holen kann. (Habe ich schon erwähnt, dass mich an solchen Tagen misanthropische Tendenzen quälen?) Das Internet ist da als Umgangsplattform viel sicherer, Computerviren verderben einem nicht den Magen. (In übertragener Bedeutung schon, aber das ist ein anderes Thema)

Solange ich denken kann, habe ich diese kleine Schwachstelle. Sie meldet sich bei Ärger, Stress und bei jedem umlaufenden Virus ist sie mit dabei.

Ich bin gut zu ihr. Ich esse gesund, versuche den Stress in moderaten Bahnen zu halten, pflege sie ab und zu mit Haferbrei und für eine Weile sind wir recht gute Freunde. Sie mag das, was ich ihr gebe und honoriert meine Bemühungen mit einem schmerzfreien Alltag.

Nur manchmal – so wie heute – sitzt ihr was quer. Dann streitet und hadert sie mit mir, ist der Meinung, dass ich ihr nicht genug Aufmerksamkeit schenke, sie unnötig belaste und sie doch mal dringend wieder im Mittelpunkt stehen muss.

Was sie auch erreicht hat.

Ich behandle meinen wunden Punkt mittlerweile wie ein neurotisches Kind. Alles, was ihn stören könnte, wird sorgsam von ihm fern gehalten. Und doch muss ich mit seinen Launen rechnen, die mich unerwartet ausknocken können. Er sitzt dann zufrieden da, hat sein Recht und seine Aufmerksamkeit und beruhigt sich langsam wieder.

Ich lasse ihn jetzt ein wenig toben, besänftige ihn mit Tee und Zwieback und warte darauf, dass er wieder bereit ist mitzuspielen.

Alice

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bei Magen trinken wir seit Generationen Pfefferminztee ❤️
    Gute Besserung! 🌷

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    1. Danke dir, wir schwören auf Babypupstee, Fenchel, Anis, Kümmel 🌿 Liebe Grüße, Alice

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  2. Dein HInweis auf „misanthropische Tendenzen“ wegen Ansteckung lässt mich daran denken, dass ich schön länger glaube, der Mensch ist ein Gesellschaftswesen, weil Mikroben ihn dazu drängen. Zu deiner Erbauung hier:
    https://trittenheim.wordpress.com/2015/09/15/einiges-ueber-mikrobiotische-reisezentren/
    Gute Besserung!

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    1. Hi Jules, Mikroben brauchen Wirte und sie steuern uns sicherlich, den Kontakt, auch den intimeren zu suchen, um günstige neue Wirte zu finden. Aus mir als Wirt macht die Mikrobe einen Misanthropen, wobei ich solche Tendenzen auch gesund manchmal habe. Die Mikroben mag es ärgern, nicht weiterhüpfen zu dürfen, ich genieße die Ruhe 🙂 Danke für deine guten Wünsche, Liebe Grüße, Alice

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  3. TeteGina sagt:

    Guten Morgen Alice, ich wollte auch für morgen, über diese gemeinen Viren, schreiben. Passt ja zu dieser Jahreszeit…ich kenne das sehr gut. Bei mir ist es die Reizblase 😉 früher war es der Magen. Naja, die Schwachstellen scheinen gerne auch mal zu wechseln. Ich wünsche dir schnell gute Besserung…Ruhe, Kamilllentee und eine Wärmflasche helfen – und alle Organe danken es uns 🙂 alles Liebe Tete

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    1. Liebe Tete, ich danke dir, das wird schon wieder. Ich glaube auch, dass sich die Schwachstellen verändern können. Mir sind sie allerdings sehr treu. Liebe Grüße, Alice

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      1. TeteGina sagt:

        Mir auch….;-) von daher kann ich dich sehr gut verstehen (kenne es gar nicht anders) aber ich habe damit leben gerlernt, ich glaube Du auch….Tete

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