Tag 5/365 – Analog erfolgreich

Selbstgemachtes Glück

Ich hab es getan. Zwei Filme wurden heute final vollgeknipst, entwickelt – selbst, höchsteigen und vollkommen selbstständig entwickelt, getrocknet, in hübsche Portiönchen zerschnibbelt und eingescannt. Der Farbfilm, der zufällig noch in der einen Kamera war, war eher enttäuschend. Aber der SW-Film in der Pentax, ich bin begeistert und ich werde es wieder tun.

Obwohl sie mit einem billigen Scanner eingescannt wurden, strahlen sie – für mich – eine große Faszination aus. Ich werde dabei bleiben – zumindest teilweise – und mich weiter darin üben.

Fertigkeiten. Ich bin schon immer der Meinung gewesen, dass man nie auslernt. Neue Projekte, neue Lehrmaterialien begeistern mich. Es gibt noch so Vieles, was ich nicht weiß oder zumindest ausprobiert habe. Gut, manche Sachen brauche ich nicht. Paragliding zum Beispiel, das schaue ich mir lieber von unten an und grusele mich ein wenig. Aber ich bin sowieso nicht so sportlich.

Von Kunsthandwerk hingegen kann ich nicht genug bekommen. Deshalb ist die Fotografie, Entwicklung und hoffentlich irgendwann der Abzug eine wundervolle Erweiterung meines Horizonts.

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, ein tolles Gespräch mit einem wirklich interessanten Menschen zu führen. Da wir eine alte Kamera wieder fit machen wollen, rief ich im Geschäft an und bekam direkt den Chef an den Hörer. Nach der Klärung der geschäftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen, schwenkte das Gespräch zum künstlerischen Aspekt dessen, was wir da tun, wenn wir Bilder machen.

Er erzählte mir von den Räumen, die es in ihm eröffnet, den Bildern, die in seinem Kopf entstehen und intuitiv durch das Auslösen auf dem Negativ landen, der Musik, die er beim Betrachten mancher Bilder in seinem Kopf vernimmt. Er empfahl mir Bücher, wir sprachen über Filme und berühmte Fotografen, von denen ich noch nie gehört hatte. Zu guter Letzt sprachen wir über Kunst. Und dieser hervorragende Fotograf (ich hab mir seine Werke online angeschaut) wies weit von sich, ein Künstler zu sein. Er sei ein guter Handwerker, ein Mechaniker sicherlich, ansonsten ein Liebhaber dessen, was er da mache.

Und da musste ich an all die Youtuber, Instagramselfieschießer und sonstige Typen denken, die ein wenig im eigenen Saft etwas brasseln, damit auf die Bühne hopsen und sich Künstler nennen. Die ein Duckface machen und meinen, sie könnten was. Dieser Mann konnte was, lernte seit Kindheit das zu perfektionieren, was sein Herz zum schneller schlagen brachte. Er hatte eine Vollkommenheit darin erreicht, von der ich nur träumen kann. Er, der so wundervolle Bilder machen kann, nennt sich nicht Künstler.

Ich musste darüber eine Weile nachdenken. Über den Begriff Künstler, das was wir Kunst schimpfen und muss gestehen, dass ich zu keinem für mich zufriedenstellenden Ergebnis gekommen bin.

Was macht einen Künstler aus? Wo ist die Grenze zwischen leidenschaftlich verfolgtem Kunsthandwerk und der großen Kunst. Gibt es sie überhaupt? Oder ist es ein fließender Übergang, besser noch ein fluktuierender zwischen Kunst und Handwerk.

Ich bin kein Künstler, werde auch keiner mehr, denke ich. Aber ich genieße es, etwas zu erschaffen, sei es ein Text, ein Bild, ein Gemälde, ein Möbel oder sonstwas. ich möchte in all diesen Disziplinen in meinem Leben noch so gut werden, wie ich es eben schaffe.

Und jeden Tag etwas dazu lernen.

Alice

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christian W. sagt:

    Ein paar unsortierte Notizen zu diesem spannenden Thema:

    (Vermutung:) Man kann sich nicht entscheiden, Künstler zu sein, denn Kunst ist kein Resultat bewusster Entscheidungen, sondern entsteht aus Drängen, nein, Zwängen weit über das Bedürfnis, etwas auszudrücken, hinaus.

    Das Allerwenigste, was sich als Kunst präsentiert, ist welche, ich würde den Anteil eher im Promille- denn im Prozentbereich verorten. Dass es so viele sogenannte Kunstausstellungen und so viele sogenannte bzw. selbst ernannte Künstler gibt, liegt an einem Marktphänomen, das ich als kaskadierenden Entwertungsprozess beschreiben würde:

    In Wirklichkeit ist die meiste bildende Kunst art décoratif, Kunsthandwerk, Gebrauchsgrafik, … und das ist meinerseits positiv gemeint, gutes Kunsthandwerk ist eine tolle Sache. Aber wenn man sich als Kunsthandwerker versteht und bspw. auf Kunsthandwerks-Ausstellungen seine Arbeit präsentieren möchte, steht man (wenn es nicht seltenerweise eine gut kuratierte Zusammenstellung ist) häufig neben Kollegen, deren „Kunsthandwerk“ per Container aus China importiert worden ist. Kunsthandwerk ist, wenn man da genauer hinschaut, ein Synonym für Ramsch, und anständigen Kunsthandwerkern bleibt kaum etwas anderes übrig, als sich zu Künstlern umzulabeln, um sich davon zu distanzieren.

    Und dann verinnerlicht sich das, und wenn ich in solchen Kreisen davon spreche, dass ich Handwerker bin und kein Atelier, sondern eine Werkstatt betreibe, wird schnell die Nase gerümpft.

    Jedenfalls würde ich das Bonmot, dass Kunst nicht von Wollen, sondern von Können kommt, eher auf Kunsthandwerk beziehen. Kunst kommt von Müssen.

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    1. Über diesen Kommentar habe ich den ganzen Tag nachgedacht. Laut dieser Definition, die ich tatsächlich für ungemein schlüssig halte, bin ich genau dazwischen. Ein teil, der technische, ist die Handwerkerin. Doch der andere muss. Nur die Motive des Müssens liegen noch im Dunkeln. Ich forsche weiter, doch vielleicht muss ich das auch nicht.
      Lieben Gruß dir
      Alice

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      1. Christian W. sagt:

        Apropos Motive: Obwohl ich seit 35 Jahren die Kamera im Grunde nie aus der Hand gelegt habe, weiß ich bis heute nicht, warum ich sie benutze. (Nicht dass ich darüber nicht nachgedacht hätte: Freude am handwerklichen Produzieren, dazu sicher auch ein bisschen Spieltrieb, aber das beides reicht ja noch nicht.) Aber wenn es eine Zwangshandlung ist, dann sicherlich von sozusagen viel kleinerem Kaliber als bei der Handvoll Künstler*innen, die ich persönlich kenne.

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      2. Die Freude am Erschaffen ist bei mir dreigeteilt. Das, was du beschreibst, ist eins davon. Dann ist da der Stolz, wenn das das richtige Wort ist, wenn das Ergebnis zeigt, was ich fühlte. Und das macht mich süchtig. Zu versuchen, das, was in mir brodelt rauszuholen. Leider verliere ich mich oft in Plattitüden, und mache das, was anderen gefällt. Denn auch die Anerkennung von außen spielt immer mit rein.
        Es ist komplex und manches Mal besser, nicht darüber zu grübeln.

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      3. Christian W. sagt:

        Gefährliche Sache, diese Anerkennung von außen. Wenn sie auch noch gepaart ist mit finanzieller Anerkennung (Ausstellen auf Verkaufsmessen), steigt die Versuchung, gefällig zu arbeiten, immens. Was in der Regel (so meine Erfahrung) nicht gut ist für die eigene schöpferische Fähigkeit, weshalb ich sehr darauf achte, mich nicht von Einkünften aus meinen freien gestalterischen Arbeiten abhängig zu machen.

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      4. Die finanzielle Anerkennung, so sie denn stattfindet, ist ein netter Nebeneffekt. Da ich einen gut bezahlten Job habe, aber nicht die Triebfeder. Meine Zeichnungen stelle ich gerade bei Spreadshirt ein. Klar freue ich mich wie Bolle, wenn jemand ein Shirt mit meinem Design kauft. Aber dahinter stecken noch ganz andere Motivatoren. Der ganze technische Hickhack, der Umgang mit den Programmen, um die Bilder anzupassen, der Kompetenzzuwachs, ähnlich wie beim Entwickeln oder beim Umgang mit einer neuen Kamera. Ich freue mich über die Wissenszunahme (ich las jetzt von Cyanotypien, die stehen auf der ToDo-Liste) und das Ergebnis.
        Der handwerkliche Bereich spielt also ohne Frage eine recht große Rolle. Aber ich feile nicht an einer Technik bis zur Perfektion, ich möchte möglichst viele lernen, um sie am Ende miteinander verknüpfen zu können. Dabei geht es immer ums Geschichten erzählen, ich glaube das ist die Haupttriebfeder. Der Rest ist Mittel zum Zweck und Neugierde.

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      5. Christian W. sagt:

        Was ich ja faszinierend finde: Wie ähnlich und unterschiedlich zugleich man an Sachen herangehen kann. Möglichst viele Techniken miteinander verknüpfen können – ja, ist auch eine wichtige Motivation für mich. Geschichten erzählen? Den Antrieb hatte ich noch nie. Ich glaube auch nicht, dazu auch nur im Ansatz Talent zu haben.
        Aber mit Blick auch auf deinen heutigen Blogeintrag mag ich das hier nicht noch weiter auswalzen und zusätzlich Zeit beanspruchen …

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      6. Alles gut, jetzt ist hier – endlich – Ruhe eingekehrt…

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